Vier Milliarden Euro Sanierungsbedarf, ein zerfallener Kernplan und Staatsanwälte, die gegen Ex-Vorstände ermitteln. Der Agrarhandelskonzern BayWa steckt tiefer in der Krise als je zuvor — und die nächsten Monate werden zeigen, ob das Unternehmen noch zu retten ist.
Stillhaltevereinbarung entscheidet alles
Der gesamte Restrukturierungsplan steht und fällt mit einer Frage: Verlängern DZ Bank und HVB ihre Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026? Verweigern sie die Zustimmung, verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Insolvenzplan seine rechtliche Grundlage. Das Management hätte keine operative Basis mehr.
Ende April fließen rund 107 Millionen Euro aus dem Cefetra-Verkauf in die Kasse — 45 Millionen aus dem direkten Verkauf, 62 Millionen aus der Rückzahlung von Gesellschafterdarlehen. Das Management nutzt die Summe als Druckmittel gegenüber den Banken. Retten wird sie BayWa nicht.
Die Finanzierungslücke bleibt gewaltig. Von den angestrebten vier Milliarden Euro fehlen noch 2,7 Milliarden. Die genossenschaftlichen Eigentümer haben in den vergangenen zwei Jahren bereits rund 550 Millionen Euro über Kapitalerhöhungen und Darlehen eingebracht. Im Jahresabschluss 2024 schrieben sie 60 Prozent eines Schuldscheindarlehens über 220 Millionen Euro ab.
Energietochter als Milliardenproblem
Der ursprüngliche Sanierungsplan war auf den Verkauf einer 51-Prozent-Beteiligung an der Energietochter BayWa r.e. ausgerichtet. 1,7 Milliarden Euro sollte das einbringen. Dieser Plan ist hinfällig.
Der US-amerikanische „One Big Beautiful Bill Act“ hat die Subventionen für erneuerbare Energien erheblich gekürzt. Ausgerechnet im wichtigsten Absatzmarkt: 2024 verkaufte BayWa r.e. dort über 530 Megawatt Projektkapazität. Ohne staatliche Förderung sinkt die Attraktivität für potenzielle Käufer — und eine erhebliche Bewertungslücke droht.
Als Teilkompensation treibt BayWa den Verkauf der neuseeländischen Obsttochter T&G Global voran. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück. Allerdings bremst die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group den Prozess. Die erwarteten Erlöse von rund 300 Millionen Euro füllen die Milliardenlücke kaum.
Ermittlungen und fehlende Zahlen
Parallel eskaliert die rechtliche Aufarbeitung. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen Ex-Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Verdacht: Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023. Die BaFin hat eine formelle Fehlerbekanntmachung wegen unzureichender Risikodarstellung ausgesprochen.
Der Aufsichtsrat hat die Schwelle für zustimmungspflichtige Geschäfte von 200 auf 50 Millionen Euro gesenkt. Drei Mitglieder schieden zuletzt aus.
Kein Wunder, dass Investoren kaum Orientierung finden. Der testierte Konzernabschluss für 2025 kommt frühestens im vierten Quartal 2026. Die Prognose für 2026 hat der Vorstand bereits gestrichen, das EBITDA-Ziel für 2027 auf rund 140 Millionen Euro gesenkt. Die Aktie notiert bei 14,35 Euro — rund ein Fünftel unter dem Niveau vor zwölf Monaten. Bis Ende 2028 will BayWa den Konzern auf vier Kernfelder konzentrieren und den Umsatz auf etwa 10 Milliarden Euro zurückfahren. Ob das gelingt, hängt vor allem davon ab, ob die Banken im Herbst mitspielen.
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