BayWa kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Neben einer milliardenschweren Finanzierungslücke häufen sich Aktionärsklagen, Behördenverfahren und staatsanwaltliche Ermittlungen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn knapp 20 Prozent verloren — und ein Ende der Unsicherheit ist frühestens im Herbst in Sicht.
Klagen, Ermittlungen, Prüferstreit
Den Ausgangspunkt der juristischen Auseinandersetzung bildet eine BaFin-Rüge. Die Finanzaufsicht stellte fest, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit sowie zu Refinanzierungsrisiken einer Anleihe über 500 Millionen Euro verschwieg. Die Tübinger Kanzlei TILP formiert seitdem Aktionäre für Schadensersatzklagen. Wer zwischen Januar 2022 und Januar 2026 Aktien erworben hat, gilt potenziell als klageberechtigt.
Strafrechtlich ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen ehemalige Führungskräfte — darunter Ex-CEO Marcus Pöllinger — wegen Untreue. Im Januar gab es Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Auch Wirtschaftsprüfer PwC steht unter Druck. PwC hatte für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilt, ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen. Die staatliche Prüferaufsicht Apas hat ein Verfahren eingeleitet. Das aktuelle Management prüft eigene Schadensersatzforderungen gegen PwC und hat das Prüfmandat für 2026 neu ausgeschrieben.
T&G-Verkauf: Hilfe kommt zu spät
Parallel treibt BayWa den Verkauf von Beteiligungen voran. Goldman Sachs soll einen Käufer für den 74-prozentigen Anteil an T&G Global finden. T&G vermarktet Apfelmarken wie Envy und Jazz in über 60 Ländern und erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar.
Der Prozess läuft nicht reibungslos. Die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group bremst den Verkauf. Analysten erwarten zudem Erlöse von rund 300 Millionen Euro — zu wenig, um spürbar in die Finanzierungslücke einzuzahlen.
Das strukturelle Problem ist größer. Vom Gesamtsanierungsziel von vier Milliarden Euro bis 2028 hat BayWa bisher erst 1,3 Milliarden Euro gesichert. Der ursprüngliche Plan sah vor, eine Mehrheitsbeteiligung an der Energiesparte BayWa r.e. für bis zu 1,7 Milliarden Euro zu verkaufen. Nachdem die USA Anfang 2025 Fördermittel für erneuerbare Energien strichen, brachen die erzielbaren Preise ein. Die Rechenbasis des Sanierungsplans ist damit hinfällig.
Herbst 2026 als Schicksalstermin
Kein Jahresabschluss, keine belastbare Bewertung. Die Jahresprognose für 2026 hat BayWa gestrichen. Den Konzernabschluss 2025 verschob der Konzern ins vierte Quartal 2026. Das EBITDA-Ziel für 2027 liegt bei rund 140 Millionen Euro — bis dahin schrumpft BayWa auf vier Kernfelder mit einem Umsatz von rund zehn Milliarden Euro.
Kritisch bleibt die Lage bei den Banken. DZ Bank und HVB müssen einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zustimmen. Ohne ihre Zustimmung verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Grundlage. Ob die Banken mitspielen, entscheidet sich zeitgleich mit dem Termin für den testierten Jahresabschluss — beides frühestens im vierten Quartal 2026.
BayWa-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BayWa-Analyse vom 1. Mai liefert die Antwort:
Die neusten BayWa-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BayWa-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BayWa: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
