Bei BayWa brennt es an allen Ecken. Der Agrarhandelskonzern kämpft mit leeren Stühlen im Aufsichtsrat, drängenden Bankgesprächen und juristischem Gegenwind. Die Sanierung gleicht einem Balanceakt ohne Netz.
Führungskrise und verschärfte Regeln
Das Kontrollgremium des Münchner Konzerns bricht auseinander. Michael Höllerer und Monika Hohlmeier verlassen den Aufsichtsrat Ende März. Monique Surges folgt Ende Mai.
Damit verliert das Gremium auf einen Schlag drei Mitglieder. Ein Termin für die Hauptversammlung zur Nachbesetzung steht noch nicht fest.
Als Reaktion auf die Krise verschärft das Management die internen Regeln. Geschäfte ab 50 Millionen Euro erfordern nun zwingend eine Zustimmung. Zuvor lag diese Schwelle bei 200 Millionen Euro.
Verkäufe unter hohem Zeitdruck
Nächste Woche rückt ein harter Liquiditätstermin näher. Bis Ende April fließen rund 107 Millionen Euro aus dem Verkauf der Getreidetochter Cefetra in die Kassen.
Dieser Schritt senkt die Bankverbindlichkeiten massiv. Das Ziel: ein klares Signal für die Gläubigerbanken. DZ Bank und HVB entscheiden im Herbst über die Verlängerung der Stillhaltevereinbarung. Fällt diese, verliert der gesamte Sanierungsplan seine rechtliche Basis.
Parallel läuft der Verkauf der neuseeländischen Obsttochter T&G Global. BayWa will sich von seiner Mehrheitsbeteiligung trennen und peilt einen Erlös von rund 300 Millionen Euro an. Ein Minderheitsaktionär erschwert den Prozess jedoch.
Juristischer Ärger und schwacher Kurs
Abseits der Bilanz wächst der rechtliche Druck. Die BaFin rügte den Konzern wegen verschwiegener Refinanzierungsrisiken im vergangenen Lagebericht.
Im gleichen Schritt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen frühere Vorstände. Es geht um Untreue und falsch dargestellte Liquiditätsrisiken. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Aktionäre spüren diese Unsicherheit deutlich. Zwar sprang der Kurs am Freitag um gut sechs Prozent auf 14,00 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von rund 16 Prozent auf der Anzeigetafel. Die Aktie notiert damit weit unter ihrem langfristigen 200-Tage-Durchschnitt.
Frische Fundamentaldaten lassen auf sich warten. Der Konzern verschiebt den Jahresabschluss für 2025 voraussichtlich bis ins vierte Quartal.
Bis 2028 plant das Management einen radikalen Umbau. Der Umsatz soll auf etwa zehn Milliarden Euro schrumpfen, rund 1.300 Stellen fallen weg. Ob dieser Plan aufgeht, entscheidet sich im Herbst. Dann müssen die Banken dem weiteren Vorgehen endgültig zustimmen.
