Der Sanierungsplan für BayWa nimmt Formen an. Gläubigerbanken und Großaktionäre gewähren dem kriselnden Agrarkonzern zwei zusätzliche Jahre. Damit verschiebt sich die rettende Frist bis Ende 2030. Die geplante Einigung fordert allerdings tiefe Einschnitte.
Harter Eingriff in die Struktur
Im Zentrum der Neuordnung steht ein massiver Eingriff in die Kapitalstruktur. Die Finanzierungspartner sollen bis zu 700 Millionen Euro an Verbindlichkeiten in ein nachrangiges Instrument umwandeln. Im Insolvenzfall stünden sie damit ganz hinten an. Im Gegenzug verlangen die Banken Sicherheiten. Die beiden Großaktionäre sollen ihre Papiere zunächst an einen Treuhänder übertragen.
Parallel dazu treibt das Management den Verkauf von Unternehmensteilen voran. Der Erlös der Ökostromtochter BayWa r.e. soll direkt Schulden abbauen. Bis zu 900 Millionen Euro will der Konzern so tilgen. Reicht diese Summe nicht, wandert der Restbetrag ebenfalls in das Nachranginstrument. Die Strategie zeigt erste Erfolge. So senkte der Verkauf der Tochter Cefetra die Bankverbindlichkeiten bereits um mehr als 600 Millionen Euro.
Neuer Fokus und alte Probleme
Künftig konzentriert sich BayWa auf Agrar, Technik und Baustoffe. Den Bereich Wärme und Mobilität verkauft der Konzern bis Ende 2029. Zusätzlich belastet ein juristisches Erbe den Neuanfang. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere frühere Vorstände. Es geht um mögliche Untreue und eine geschönte Bilanz für das Jahr 2023. Diese Untersuchungen laufen unabhängig vom Sanierungsprozess weiter.
Tiefer Fall an der Börse
An den Märkten spiegelt sich die schwere Krise deutlich wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 11,55 Euro. Damit summiert sich der Kursverlust seit Jahresbeginn auf 31 Prozent, weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 23,90 Euro. Die Dimensionen der Rettung sind gewaltig. Kurzum: ein harter Aufprall für den Traditionskonzern.
Ein rechtsverbindlicher Vertrag fehlt bislang. Zuerst müssen die Gremien beider Seiten den Plänen zustimmen. Bis dahin sichert die laufende Stillhaltevereinbarung das Überleben des Unternehmens. Geben alle Beteiligten endgültig grünes Licht, gewinnt das Management den dringend benötigten Spielraum für den operativen Umbau.
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