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BayWa Aktie: 2,7 Milliarden fehlen

Der Sanierungsplan des Agrarriesen BayWa steht auf der Kippe. Ein offener Machtkampf zwischen Gläubigerbanken und Genossenschaftsaktionären droht den gesamten Umbauprozess zu gefährden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gläubiger fordern frisches Kapital
  • Genossenschaftsbanken lehnen Zahlungen ab
  • T&G-Verkauf durch Minderheitsaktionär blockiert
  • Jahresabschluss 2025 liegt nicht vor

Bei BayWa steht die Sanierung auf der Kippe. Gläubigerbanken und genossenschaftliche Ankeraktionäre liefern sich einen offenen Machtkampf. Die Zeit läuft ab. Bis Herbst 2026 muss der Konzern drei Hürden gleichzeitig nehmen – sonst bricht der gesamte Umbauplan zusammen.

Der Aktienkurs liegt bei 12,25 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 27 Prozent verloren. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 107 Prozent zeigt, wie extrem die Unsicherheit ist.

Verhärtete Fronten auf der Eigenkapitalseite

DZ Bank und UniCredit (HVB) erhöhen den Druck. Sie verlangen von den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken frisches Kapital. Die Genossen lehnen ab. Ein Treuhand-Modell soll nun die Interessen der verschiedenen Gläubigergruppen bündeln. Ob das reicht? Die Fronten sind verhärtet. Kein Käufer in Sicht.

Die Finanzierungslücke beträgt 2,7 Milliarden Euro. Bis Herbst müssen drei Dinge gleichzeitig gelingen: der Jahresabschluss 2025, die Verlängerung der Stillhaltevereinbarung und der T&G-Verkauf. Scheitert nur ein Punkt, ist die rechtliche Basis weg.

T&G-Verkauf hakt

Goldman Sachs sucht seit März einen Käufer für den 74-Prozent-Anteil an T&G Global. Die Obsttochter vermarktet Apfelmarken wie Envy und Jazz. 2024 erzielte sie 1,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und kehrte in die Gewinnzone zurück. Der erwartete Erlös liegt bei rund 300 Millionen Euro.

Das Problem: Die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group hält knapp 20 Prozent und bremst den Prozess.

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Beim Schuldenabbau hat BayWa bislang 1,3 Milliarden Euro gesichert – weniger als ein Drittel des Gesamtziels von vier Milliarden Euro bis 2028. Der Cefetra-Verkauf brachte mehr als 600 Millionen Euro.

Juristische Mehrfrontenlage

Die Kanzlei TILP formiert geschädigte Aktionäre für Schadensersatzklagen. Grundlage: eine BaFin-Rüge. BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 Details zu einem Milliardenkredit und Refinanzierungsrisiken einer Anleihe über 500 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger – beide gelten als unschuldig.

Operativer Rückbau

Der Konzernumsatz sank im ersten Quartal 2026 auf 2,3 Milliarden Euro – von 3,6 Milliarden im Vorjahr. Der Rückgang ist teils strategisch: BayWa verkauft Beteiligungen und schrumpft bewusst, um Schulden abzubauen.

Das bereinigte EBITDA lag über den Sanierungsplan-Vorgaben. Gleichzeitig schließt BayWa zwei Standorte in Bayern – Hersbruck und Regen. Drei weitere folgen 2026, weitere 2027. 1.300 Stellen werden abgebaut. Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro Schulden verzichten. Der Umsatz soll bis 2028 auf zehn Milliarden Euro schrumpfen.

Blindflug bis Herbst

Der Jahresabschluss 2025 kann nicht fristgerecht vorgelegt werden. Grund ist die Überarbeitung des Sanierungskonzepts. Eine belastbare Bewertung bleibt bis dahin unmöglich.

Bis zum Herbst entscheidet sich, ob BayWa in seiner jetzigen Form weiter existiert – oder ob der Sanierungsprozess kollabiert. Der Treuhand-Kompromiss wäre ein positives Signal. Ohne Einigung droht der komplette Wegfall der Sanierungsgrundlage.

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