BayWa gibt die Kontrolle über ihre Ökostromtochter ab. Statt eines klassischen Verkaufs übergibt der Münchner Konzern sämtliche Anteile an einen Sanierungsgesellschafter. Der Preis für diesen Schritt: Ein Verzicht auf Forderungen in Milliardenhöhe.
Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssprung von 4,31 Prozent auf 10,90 Euro. Der Erholung zum Trotz bleibt die Bilanz düster. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,63 Prozent, binnen eines Monats verlor das Papier 11,74 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 35 Prozent eingebüßt, gegenüber dem Vorjahr sogar fast 47 Prozent.
Der teure Preis der Trennung
Bislang hielt BayWa 51 Prozent an dem Wind- und Solarpark-Entwickler BayWa r.e. Nun übertragen BayWa und Mitgesellschafter Energy Infrastructure Partners (EIP) alle Anteile an einen Sanierungsgesellschafter. Dieser übernimmt die Kontrolle und bereitet den Verkauf vor.
Der Schritt kostet die bisherigen Eigentümer viel. BayWa und EIP müssen ihre Gesellschafterdarlehen komplett abschreiben. Zusammen stehen hier rund 1,3 Milliarden Euro im Feuer.
Im Gegenzug erhalten die Eigentümer nur einen Besserungsschein. Fährt der spätere Verkauf Gewinne ein, partizipieren die Altaktionäre daran. Allerdings müssen sie sich hinten anstellen: Die Gläubigerbanken sichern sich den ersten Zugriff auf künftige Erlöse. Offene Finanzverbindlichkeiten von bis zu 900 Millionen Euro werden vorrangig getilgt. Erst danach fließt Geld an die Altgesellschafter.
Sanierer sieht Vorteile in der neuen Struktur
Sanierer Hans-Joachim Ziems begrüßt die Konstruktion. Das Unternehmen könne nun in Eigenregie agieren, ohne Interessenkonflikte mit dem Mutterkonzern. Das bisherige Geschäftsmodell rund um Windparks und Batteriespeicher brachte zuletzt nicht die erhofften Ergebnisse.
Der ursprüngliche Plan sah für BayWa deutlich bessere Konditionen vor. Ein klassischer Verkauf der Tochter hätte weit mehr Geld in die Kassen gespült, als die jetzige Treuhandlösung erwarten lässt.
Herbst 2026 als nächster Prüfstein
Die aktuelle Einigung ist noch keine rechtsverbindliche Vereinbarung. Banken und Großaktionäre müssen die Grundsatzeinigung erst in einen verbindlichen Sanierungsvertrag überführen. Dieser Schritt ist für den Herbst 2026 angepeilt.
Bis dahin dürfte der Aktienkurs stärker von Verhandlungsfortschritten als von operativen Zahlen getrieben werden. Der aktuelle RSI von 44,2 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale, die Aktie notiert rund 11 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 12,22 Euro.
Zusätzliche Unsicherheit bringt der geprüfte Konzernabschluss für 2025. Er soll erst im vierten Quartal 2026 vorliegen. Erst mit diesen Zahlen wird sich zeigen, ob die neue Struktur die Schuldenlast des Konzerns tatsächlich senkt.
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