Washington erhöht den Druck auf die deutsche Pharmabranche. Heute öffnet das US-Handelsministerium das offizielle Kommentardossier im Section-301-Verfahren. Im Fadenkreuz steht die deutsche Preispolitik für Medikamente. Für Bayer als größten heimischen Branchenvertreter wächst damit ein neues Risiko heran.
Streit um Erstattungspreise
Die Trump-Administration nutzt erstmals eine formelle handelspolitische Maßnahme gegen eine einzelne europäische Nation. Das Ziel: Medikamentenpreise senken. Der Vorwurf des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer wiegt schwer. US-Patienten tragen laut seiner Behörde einen unverhältnismäßig großen Teil der weltweiten Forschungskosten.
Konkret greift Washington zwei deutsche Maßnahmen an. Erstens einen neunprozentigen Preisnachlass bei vertraulichen Preisen. Zweitens stört sich die US-Regierung am geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der Bundestag will dieses Gesetz voraussichtlich in der zweiten Juliwoche verabschieden. Es schreibt ab 2027 einen Herstellerabschlag auf patentgeschützte Arzneimittel vor. Greer nennt diesen Schritt einen gravierenden Rückschritt.
Bayer zwischen den Fronten
Zölle auf deutsche Pharmaprodukte träfen Bayer empfindlich. Die Pharmasparte des Konzerns hängt stark vom US-Markt ab. Zusätzliche Belastungen erschweren die ohnehin knappe Cashflow-Planung für das laufende Jahr.
Ein Ausweg existiert theoretisch. Greer verweist auf ein jüngstes Abkommen mit dem Vereinigten Königreich. Dort akzeptiert der Gesundheitsdienst höhere Preise für neue Medikamente. Im Gegenzug entfallen US-Zölle.
Die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken lehnt dieses Modell ab. Sie verweist auf die angespannte Finanzlage der Krankenkassen. Höhere Preise seien schlicht nicht realistisch. Die Fronten sind verhärtet.
Anhörung im September
An der Börse reagieren Anleger bislang gelassen. Die Bayer-Aktie schloss am Mittwoch bei 39,89 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet das Papier ein Plus von gut 51 Prozent.
Damit notiert der Kurs komfortabel über seiner 200-Tage-Linie von 36,39 Euro. Das US-Verfahren bleibt neben den bekannten Glyphosat-Altlasten ein latentes Risiko.
Die nächste wichtige Wegmarke rückt schnell näher. Bis zum 10. August sammelt Washington schriftliche Kommentare. Am 22. September hält das zuständige Komitee dann eine öffentliche Anhörung ab. Spätestens danach entscheidet sich, ob die Zolldrohung zur Realität wird.
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