Der US Supreme Court hat Bayer vom Glyphosat-Albtraum befreit — zumindest von einem großen Teil davon. Am Donnerstag fiel in Washington ein Grundsatzurteil, das Tausende von Klagen gegen den Konzern aushebelt. Die Bayer-Aktie reagierte mit dem stärksten Tagesanstieg seit 23 Jahren.
Das Urteil und seine Tragweite
Im sogenannten Durnell-Fall entschied der Oberste Gerichtshof: Bayer als Rechtsnachfolgerin von Monsanto musste keine Warnhinweise auf Glyphosat-Produkte drucken. Die Begründung ist simpel, aber weitreichend. Die US-Umweltbehörde EPA hatte solche Hinweise nie zur Zulassungsbedingung gemacht. Damit verlieren Tausende Klagen, die genau auf fehlenden Warnhinweisen beruhten, ihre rechtliche Grundlage.
Konzernchef Bill Anderson sprach von überfälliger Gerechtigkeit und Klarheit. Das Urteil beendet nach Einschätzung von Analysten den jahrelangen „Monsanto-Abschlag“, der auf dem Aktienkurs lastete.
Kurssprung und Analystenwelle
Am Donnerstag schoss die Aktie um 15 bis 17 Prozent nach oben — der größte Tagesgewinn seit zwei Jahrzehnten. Am Freitag legte das Papier weiter zu und schloss bei 46,61 Euro. Über die vergangenen sieben Tage summiert sich das Plus auf rund 23 Prozent.
Mehrere Großbanken erhöhten daraufhin ihre Kursziele:
- DZ Bank: Fairer Wert von 51 auf 54 Euro angehoben, Rating „Kaufen“
- Goldman Sachs: Kursziel 55 Euro, Rating „Buy“
- UBS: Kursziel 52 Euro, Rating „Buy“
- JPMorgan: Kursziel 50 Euro, Rating „Buy“
Goldman Sachs betonte, die Entscheidung markiere einen großen Schritt zur Beendigung einer Dekade von Glyphosat-Rechtsrisiken.
Was bleibt
Die Entlastung ist real — aber nicht vollständig. Ein parallel laufender Vergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar läuft weiter. Die Bilanz bleibt belastet, der freie Cashflow ist negativ. Bayer muss nun beweisen, dass der Konzern mehr ist als ein Unternehmen, das Rechtsstreitigkeiten verwaltet.
Der RSI liegt bei 80,6 — die Aktie ist technisch überkauft. Das 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro aus dem Februar ist aber greifbar nah, der Abstand beträgt noch knapp sieben Prozent. Ob Bayer dieses Niveau testet, hängt davon ab, wie überzeugend Anderson die operative Wende in den kommenden Quartalen untermauert.
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