Der US-Supreme Court hat Bayer vor Zehntausenden Roundup-Klagen geschützt. Das Urteil vom 25. Juni 2026 war eindeutig: sieben zu zwei Stimmen. Die Richter verwarfen ein Millionenurteil zugunsten eines Mannes aus Missouri, der sein Non-Hodgkin-Lymphom auf den Herbizid zurückführte.
Der Kurs reagierte mit einem Kursfeuerwerk. Auf Sieben-Tage-Sicht liegt das Plus bei fast 19 Prozent, auf 30-Tage-Sicht bei über 30 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Tief von 25,09 Euro im August 2025 hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Am Dienstag notiert das Papier bei rund 45,82 Euro — gut acht Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro.
Pharma-Streit mit J&J läuft weiter
Die Glyphosat-Last nimmt ab. Dafür eskaliert ein anderer Rechtskonflikt. Bayer wirft Johnson & Johnson vor, mit falschen Überlegenheitsbehauptungen gegen das Prostatakrebs-Medikament Nubeqa zu werben. Die Klage läuft seit Februar 2026, nachdem Nubeqa zu einem ernsthaften Konkurrenten von J&Js eigenem Erleada geworden war.
Ein Bundesrichter in Manhattan lehnte im April einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Bayer reichte daraufhin im Juni eine geänderte Klage ein und fordert nun dauerhaften Unterlassung, Schadensersatz und weitere Rechtsmittel. Der Streit geht in die Hauptsache.
KI-Plattform für die frühe Wirkstoffforschung
Parallel baut Bayer seine Forschungspipeline mit Technologie aus. Der Konzern kooperiert mit Iambic Therapeutics, einem US-Unternehmen, das KI-gestützte Wirkstoffforschung betreibt. Iambics Plattform — darunter die Technologien Enchant und NeuralPLexer — soll neue Angriffspunkte und Moleküle gegen schwer adressierbare Targets identifizieren.
Das Ziel: vielversprechende Verbindungen früh herausfiltern, bevor sie ins Labor gehen. Iambic erhält eine Vorauszahlung sowie Meilenstein- und Lizenzgebühren in nicht genannter Höhe.
Schulden bleiben der Druckpunkt
Die Bilanz bleibt angespannt. Im ersten Quartal 2026 flossen rund 2 Milliarden Euro für Vergleichszahlungen ab — überwiegend für PCB- und Glyphosat-Klagen. Die Nettoverschuldung lag Ende März bei 32,5 Milliarden Euro.
Im Jahr 2025 hatte Bayer noch Fortschritte erzielt: Der freie Cashflow betrug 2,1 Milliarden Euro, die Nettoverschuldung sank von 32,6 auf 29,8 Milliarden Euro. 2026 dreht sich diese Entwicklung vorerst um. Laufende Vergleichszahlungen belasten den Cashflow erneut erheblich.
Hinzu kommt, dass die Pharma-Division zuletzt besser lief als erwartet. Nubeqa und Kerendia lieferten deutliche Zuwächse, teils getrieben durch neue Zulassungen. Im Februar 2026 veröffentlichte Bayer außerdem positive Phase-III-Daten für Asundexian zur Schlaganfall-Prävention — ein weiterer Kandidat mit mittelfristigem Umsatzpotenzial.
Das Supreme-Court-Urteil hat die Rechtsrisiken strukturell verringert. Ob Bayer den Schuldenabbau 2026 trotz der noch laufenden Vergleichszahlungen wieder aufnehmen kann, entscheidet sich an den Cashflow-Zahlen der kommenden Quartale.
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