Bayer hat in Japan grünes Licht für ein weiteres Krebsmedikament erhalten. Das japanische Gesundheitsministerium MHLW erteilte dem Tyrosinkinasehemmer Sevabertinib, der unter dem Markennamen Hyrnuo vertrieben wird, die Marktzulassung.
Der Wirkstoff richtet sich an Patienten mit HER2-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs und darf in allen Therapielinien eingesetzt werden – also sowohl bei neu diagnostizierten Fällen als auch nach Vorbehandlungen.
Onkologie-Pipeline liefert zweiten Erfolg binnen Tagen
Die Zulassung reiht sich in eine Serie regulatorischer Fortschritte ein. Erst wenige Tage zuvor hatte die chinesische Arzneimittelbehörde den Zulassungsantrag für Aflibercept 8 mg angenommen, ein Wirkstoff gegen Makulaödeme infolge eines retinalen Venenverschlusses. Beide Entwicklungen zeigen, dass Bayer seine Pharmasparte über die klassischen Wachstumsfelder hinaus verbreitert – weg von der einseitigen Abhängigkeit von wenigen Blockbustern.
Für Anleger ist die Breite der Pipeline deshalb relevant, weil sie ein Gegengewicht zu den juristischen Altlasten des Konzerns bildet. Während die Zulassungen operative Substanz liefern, bleibt der Glyphosat-Rechtsstreit der größte Unsicherheitsfaktor.
Ein Gericht in Missouri hat die finale Anhörung zur Genehmigung eines milliardenschweren Sammelvergleichs der Bayer-Tochter Monsanto auf gemeinsamen Antrag beider Seiten vom 19. August auf den 14. September verschoben. Der Termin bleibt damit der zentrale Fixpunkt für die Bewertung der verbleibenden Rechtsrisiken.
Kursreaktion bleibt verhalten
Die Aktie zeigte sich von der Zulassungsnachricht kaum bewegt und notiert bei 48,80 Euro, nach einem Schlusskurs von 48,92 Euro am Vortag. Das Papier bewegt sich damit weiterhin oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 47,75 Euro, was auf einen intakten kurzfristigen Aufwärtstrend hindeutet.
Die Zurückhaltung der Anleger überrascht wenig: Einzelne Zulassungsschritte in Asien bewegen die Bewertung selten unmittelbar, zumal der Markt seinen Blick weiterhin stärker auf den Ausgang des Glyphosat-Verfahrens richtet.
Operative Basis stützt Bewertung
Untermauert wird die vorsichtig positive Grundstimmung von den Zahlen des zweiten Quartals, die Bayer Anfang August vorgelegt hatte. Der Konzernumsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA erreichte 2,14 Milliarden Euro.
Wesentlicher Treiber war die Sparte Crop Science, die von der Wiederzulassung Dicamba-basierter Produkte in den USA profitierte – das Sojasaatgut-Geschäft wuchs dort um 16,9 Prozent.
Auch auf juristischer Ebene hatte sich das Bild zuletzt aufgehellt: Der US Supreme Court entschied im Fall Durnell gegen Monsanto mit 7:2 Stimmen zugunsten der Bayer-Tochter und stellte fest, dass das Bundesgesetz FIFRA bundesstaatliche Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise auf Glyphosat-Produkten verdrängt. Diese Grundsatzentscheidung dürfte die Verhandlungsposition von Monsanto im anstehenden Sammelvergleich stärken.
Die Kombination aus regulatorischen Fortschritten in der Onkologie, robusten Quartalszahlen im Agrargeschäft und einer günstigeren rechtlichen Ausgangslage zeichnet das Bild eines Konzerns, der seine operativen Fortschritte zunehmend von den juristischen Altlasten entkoppeln kann. Der 14. September dürfte zeigen, ob sich diese Entkoppelung auch in der Bewertung der Aktie niederschlägt.
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