Während führende deutsche Konzerne ihre Verschuldung spürbar zurückführen, steht Bayer finanziell weiter unter Druck. Laut einer Auswertung des Handelsblatts von gestern gehört das Leverkusener Unternehmen im DAX zu den Werten mit dem ungünstigsten Verhältnis von Verbindlichkeiten zum operativen Ergebnis. Um die Bilanz zu stabilisieren, sicherte sich der Konzern zuletzt drei Milliarden Euro über eine Beteiligung des Investors Apollo.
Die hohe Schuldenquote wiegt umso schwerer, da gestiegene Zinsen die Refinanzierung von Industrieunternehmen merklich verteuern. Für Bayer bleibt die finanzielle Handlungsfähigkeit daher ein zentraler Faktor. Das Management muss hohe Altlasten abtragen und gleichzeitig die Neuausrichtung vorantreiben.
Unsicherheit um Milliardenvergleich in den USA
Wie eng der finanzielle Spielraum bemessen ist, zeigte die Anhörung zum Roundup-Vergleich (gestern, seither +0,8 %). Vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri forderte die Konzerntochter Monsanto die Genehmigung des ausgehandelten Sammelvergleichs. Die Vereinbarung umfasst Auszahlungen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar, die über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren gestreckt werden sollen.
Richter Timothy Boyer hatte dem Entwurf im März vorläufig zugestimmt, ließ seine endgültige Entscheidung aber zunächst offen. Eine rechtskräftige Bestätigung würde zehntausende Klagen beilegen. Rückenwind erhielt der Konzern bereits im Juni durch den US Supreme Court, der den Vorrang des Bundesrechts bei Produktwarnungen betonte.
Hoffnungsträger in der Agrarsparte
Neben der Bewältigung juristischer Risiken setzt das Unternehmen auf Produktinnovationen, um künftige Erträge zu sichern. Bayer Agrarsparten-Details (vor rund zwei Wochen) hoben dabei vor allem den kleinwüchsigen Preceon-Mais hervor, dessen Halme etwa 30 Prozent kürzer wachsen. Bayer stellt für diese Neuentwicklung in der Spitze einen Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Euro in Aussicht.
Über das gesamte Agrarportfolio hinweg strebt das Management bis 2029 ein deutliches Umsatzwachstum an. Zehn sogenannte Blockbuster sollen mittelfristig jeweils mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr einbringen. Diese Erlöse sind essenziell, um die schrittweise Ablösung älterer Pflanzenschutzmittel auszugleichen.
Das Zusammenspiel aus operativer Erneuerung und juristischer Bereinigung bildet das Fundament für die mittelfristige Unternehmensplanung. Investoren achten dabei besonders darauf, ob der freie Mittelzufluss ausreicht, um die Belastungen ohne tiefere Einschnitte in Forschung und Entwicklung zu tragen.
Anleger honorieren Sanierungsschritte vorsichtig
Am Kapitalmarkt spiegelt sich dieser Balanceakt in einer schrittweisen Kurserholung wider. Die Bayer-Aktie notiert bei 49,64 Euro und weist seit Jahresanfang ein Kursplus von 34 Prozent auf. Trotz der anhaltenden Schuldenlast setzen viele Marktteilnehmer darauf, dass die Beilegung der US-Klagen den Weg für eine nachhaltige Neubewertung frei macht.
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