Im Entwicklungsportfolio von Bayer zeichnen sich regulatorische Fortschritte bei neuen Zelltherapien ab. Sowohl die US-Gesundheitsbehörde FDA als auch die europäische Arzneimittelagentur EMA haben dem Entwicklungskandidaten lemiretprocel (OpCT-001) den Status eines Arzneimittels für seltene Leiden zugesprochen.
Das Programm wird von der Konzerntochter BlueRock Therapeutics vorangetrieben und zielt auf die Behandlung von Retinitis pigmentosa sowie weiteren erblichen Netzhauterkrankungen ab.
Die Zuerkennung der Orphan-Drug-Kennzeichnung soll die klinische Weiterentwicklung des Projekts erleichtern. Für den Leverkusener Konzern reiht sich die Entscheidung in mehrere Schritte zur Stärkung der Pharmasparte ein.
Zuvor hatte die FDA für den Wirkstoff Lynkuet bereits eine vorrangige Prüfung zur Linderung vasomotorischer Symptome bei Brustkrebspatientinnen unter endokriner Therapie bewilligt. Zudem übernahm Dr. Christoph Koenen zum 1. Oktober die Funktion des Chief Medical Officer, um die wissenschaftliche Ausrichtung der Division zu leiten.
Investitionen in den US-Standort
Flankiert wird die Ausrichtung auf das Pharmageschäft durch den Ausbau industrieller Kapazitäten. Bayer kündigte eine Investition von 2,2 Milliarden US-Dollar in einen neuen Produktionsstandort in New Albany im US-Bundesstaat Ohio an. Mit dem Vorhaben sollen rund 600 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Für Marktteilnehmer rückt damit die längerfristige Perspektive der einzelnen Konzernbereiche stärker in den Vordergrund. Während das Pharmageschäft durch Investitionen und regulatorische Meilensteine gestützt wird, bestimmt die Entwicklung der Agrarsparte weiterhin maßgeblich die Stimmung. Aufschluss über die aktuelle Finanzlage soll die Veröffentlichung der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 3. November bringen.
Agrarbelastungen und Analystenblick
Im Agrargeschäft sorgen anhaltende Verfahren weiterhin für Zurückhaltung. Medienberichten zufolge steht die gerichtliche Genehmigung des US-Sammelvergleichs über 7,25 Milliarden US-Dollar im Glyphosat-Komplex weiter aus. Zudem wiesen die EU-Mitgliedstaaten vor gut einer Woche Initiativen für unbefristete Pflanzenschutzmittel-Zulassungen zurück.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen dämpfen das Umfeld, auch wenn Branchenexperten die Belastungen differenziert einordnen. Analyst Richard Vosser von JPMorgan stufte die Aktie am 1. Oktober mit „Overweight“ und einem Kursziel von 61 Euro ein. Er verwies darauf, dass die frühen Markterwartungen an das dritte Quartal zu hoch gegriffen seien. Die Schwäche betreffe vor allem den Agrarbereich und sei zeitbedingt, weshalb die Schätzungen für das Gesamtjahr weitgehend stabil bleiben dürften.
An der Börse notiert der Anteilsschein bei 44,45 Euro, womit er 2,9 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt liegt. Bei den Großanlegern gab es unterdessen eine Anpassung: Die französische Fondsgesellschaft Amundi verringerte ihren Stimmrechtsanteil an dem DAX-Konzern auf 2,90 Prozent.
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