Am Montag steht Bayer vor einem der wichtigsten Gerichtstermine seiner jüngeren Geschichte. Ein Gericht in St. Louis prüft dann die Genehmigung eines Sammelvergleichs über 7,25 Milliarden Dollar, der den Großteil der US-Klagen rund um das Unkrautmittel Roundup beilegen soll. Für Vorstandschef Bill Anderson ist das ein zentraler Testfall seines Sanierungskurses.
65.000 Klagen, ein Vergleich
Die Roundup-Klagewelle begleitet Bayer seit der Monsanto-Übernahme 2018 und hat den Konzern Milliarden gekostet. Aktuell laufen rund 65.000 Klagen in US-Bundes- und Landesgerichten. Der im Februar angekündigte Vergleich soll nahezu alle aktuellen und künftigen Ansprüche in den USA abdecken, mit Zahlungen zwischen 10.000 und 165.000 Dollar je Fall, abhängig von Schwere der Erkrankung und Art der Exposition.
Richter Timothy Boyer wird am Montag Einwände einiger Klägeranwälte anhören, die eine Zwangseinordnung ihrer Mandanten in den Vergleichsrahmen kritisieren. Eine sofortige Entscheidung gilt als unwahrscheinlich.
Rückenwind erhält Bayer allerdings aus einem aktuellen Urteil des US Supreme Court, das die Warnhinweis-Klagen gegen Roundup deutlich schwächte. Die US-Umweltbehörde EPA arbeitet zudem an einer aktualisierten Risikobewertung zu Glyphosat, die für Ende 2026 erwartet wird.
Analysten sehen Aufwärtspotenzial
Während die juristische Altlast an Schärfe verliert, hat sich das operative Bild bei Bayer merklich aufgehellt. Das Nierenmedikament Kerendia legte im ersten Halbjahr um 75 Prozent zu, mit Hyrnuo erhielt der Konzern nach Japan auch in den USA die Zulassung für ein neues Lungenkrebsmittel. In der Agrarsparte soll der Mais „Preceon“ das Geschäft bis 2035 auf ein neues Niveau heben.
Barclays hob sein Kursziel jüngst von 60 auf 70 Euro an und bleibt bei „Kaufen“. J.P. Morgan (61 Euro) und UBS (62 Euro) sind vorsichtiger positioniert — das Analystenbild bleibt gespalten, spiegelt aber insgesamt Zuversicht in die Turnaround-Story wider.
Charttechnisch pendelt die Aktie seit Wochen knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 53,92 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 48,66 Euro liefert nach unten Halt, der RSI von 63 Punkten signalisiert weder Überhitzung noch fehlenden Spielraum nach oben.
Die Anhörung am Montag dürfte zeigen, wie belastbar die Erwartung eines baldigen Rechtsfriedens tatsächlich ist. Fällt die Entscheidung zugunsten des Vergleichs, wäre ein zentraler Unsicherheitsfaktor der vergangenen Jahre entschärft — bis dahin bleibt der Ausgang offen.
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