Im Leverkusener DAX-Konzern Bayer verfestigt sich die Spaltung zwischen operativen Fortschritten in der Medikamentensparte und der verhaltenen Kursentwicklung. Zwar verzeichnet der Pharma-Bereich ermutigende Zuwächse bei wichtigen Hoffnungsträgern, doch die ungelösten Rechts- und Regulierungsrisiken im Agrargeschäft verhindern einen nachhaltigen Stimmungsumschwung.
Am Markt überwiegt die Skepsis gegenüber den Belastungen der Sparte Crop Science, wodurch positive Meldungen aus den Forschungslaboren derzeit in den Hintergrund treten.
Zweistelliges Wachstum bei Hoffnungsträger Kerendia
Operativ behauptet sich vor allem das Nierenmedikament Kerendia mit einer dynamischen Expansion. Im zweiten Quartal kletterte der Erlös des Präparats um rund 80 Prozent auf 329 Millionen Euro.
Für das gesamte erste Halbjahr belief sich das Erlösvolumen auf nominal gut 603 Millionen Euro. Das Mittel verfügt mittlerweile über Vertriebsgenehmigungen in zahlreichen Ländern zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes.
Um das therapeutische Potenzial voll auszuschöpfen, treibt Bayer die Erschließung neuer Patientengruppen voran. Bislang beschränkt sich der Einsatz des Medikaments auf Nierenerkrankungen im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Weltweit leidet jedoch die Mehrheit der Betroffenen an chronischen Nierenleiden ohne vorliegenden Diabetes. Ein Vorstoß in diese Indikation würde das Patientenpotenzial für den Konzern erheblich vergrößern.
Wissenschaftliche Grundlage für diesen Schritt bildet die Phase-III-Studie FIND-CKD mit 1.584 erwachsenen Patienten. Unter Gabe von Finerenon verringerte sich das Risiko für den kombinierten Nieren-Kreislauf-Endpunkt im Vergleich zur Placebogruppe um 23 Prozent.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA akzeptierte den ergänzenden Zulassungsantrag für Kerendia zur Prüfung. Eine Marktzulassung für die nicht-diabetische Nierenerkrankung bedeutet diese behördliche Annahme allerdings noch nicht.
Ungelöste Risiken im Agrargeschäft
Trotz der klinischen Signale vermag die Pharmazukunft den Gesamtkonzern an den Finanzmärkten nicht zu beflügeln. Verantwortlich dafür ist der anhaltende Gegenwind im Segment Crop Science.
Die andauernden US-Rechtsstreitigkeiten um glyphosathaltige Herbizide binden Managementkapazitäten und schaffen fortlaufende Rechtsunsicherheit. Auf dem europäischen Markt erschweren zudem regulatorische Vorgaben für Pflanzenschutzmittel die mittelfristigen Planungen der Division.
Auch Berichte über den weiteren Verlauf der US-Rechtsstreitigkeiten dämpfen die Erwartungen an eine zügige Entlastung.
An der Börse spiegelt sich die anhaltende Vorsicht wider: Mit einem aktuellen Kurs von 42,72 Euro verzeichnet die Aktie heute einen Verlust von 2,7 Prozent. Angesichts der unklaren Gesamtlage raten Branchenbeobachter wie das Magazin Der Aktionär Anlegern vorerst zum Abwarten.
Blick auf den anstehenden Quartalsbericht
Neuen Aufschluss über die operative Entwicklung beider Sparten dürften die kommenden Finanzberichte liefern. Bayer plant die Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal für den 3. November.
Bis dahin bleibt die Ausgangslage für Investoren von einem klaren Widerspruch geprägt. Solange die juristischen und regulatorischen Risiken im Agrargeschäft fortbestehen, dürften selbst deutliche Erfolge im Pharmabereich kaum für eine nachhaltige Trendwende genügen.
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