Bayer hat in Japan die Marktzulassung für sein Lungenkrebs-Medikament Sevabertinib unter dem Namen Hyrnuo erhalten. Die Zulassung gilt für HER2-mutiertes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) in allen Therapielinien – ein entscheidender Unterschied zu bisherigen Zulassungen in anderen Regionen.
Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Plus von 2,0 Prozent auf 49,29 Euro und knüpft damit an die Erholung der vergangenen Wochen an. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich das Plus auf 1,2 Prozent, über 30 Tage auf 4,2 Prozent. Seit Jahresbeginn steht das Papier mit 33 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 76 Prozent.
Erstlinien-Einsatz als Novum
Sevabertinib hatte bereits im November 2025 eine beschleunigte Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten, Anfang 2026 folgte die Zulassung durch die chinesische Arzneimittelbehörde NMPA als Monotherapie für Patienten mit nicht resezierbarem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC nach vorheriger systemischer Therapie.
In Japan geht die Zulassung nun einen Schritt weiter: Das Medikament kann dort erstmals unabhängig von einer vorherigen Behandlung eingesetzt werden, also auch direkt in der Erstlinie. Für Bayers Onkologie-Sparte ist das ein strategisch bedeutsamer Fortschritt, da die Erstlinien-Indikation den adressierbaren Patientenkreis deutlich vergrößert.
Die Nachricht fügt sich in eine Serie positiver regulatorischer Entwicklungen für das Präparat in mehreren großen Märkten binnen weniger Monate. Für Anleger ist das auch deshalb relevant, weil Bayer im laufenden Umbau seines Portfolios auf Wachstumsimpulse aus der Pharma-Sparte angewiesen ist, während der Agrarbereich schwächer performt.
Zahlen und Bilanz im Hintergrund
Die operative Basis dafür lieferten die Anfang August vorgelegten Halbjahreszahlen. Der Konzernumsatz im zweiten Quartal 2026 stieg währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereffekten legte um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro zu.
Der Nettogewinn drehte von minus 199 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf plus 219 Millionen Euro, während der Core EPS mit 0,95 Euro um 16,7 Prozent unter dem Vorjahreswert lag. Für das Gesamtjahr senkte Bayer die Guidance für die Nettofinanzverschuldung auf 29 bis 30 Milliarden Euro – ein Effekt der bereits angekündigten Kapitalzuführung der Apollo-verwalteten Fonds über 3,0 Milliarden Euro.
Parallel bleibt der Glyphosat-Rechtsstreit ein Belastungsfaktor im Hintergrund. Der zuständige Missouri Circuit Court verschob die Fairness-Anhörung zum Sammelvergleich über bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar von Mitte August auf den 14. September. Der Vergleich selbst war bereits im Februar geschlossen worden, die Zahlungen sollen über einen Zeitraum von maximal 21 Jahren erfolgen.
Bewertung am Markt
Mit einem RSI von 57,8 und einem Abstand von 4,2 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt das Chartbild keine Überhitzung. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, ist die Aktie noch 8,5 Prozent entfernt. Die Marktkapitalisierung liegt bei 47,20 Milliarden Euro.
Für Anleger dürfte der Blick zunehmend auf den 14. September gerichtet sein, wenn die Fairness-Anhörung in Missouri über den Glyphosat-Vergleich entscheidet – bis dahin liefert die Pharma-Pipeline mit Erfolgen wie der Japan-Zulassung positive Nachrichten aus einem Geschäftsbereich, der von den Rechtsrisiken der Agrarsparte losgelöst ist.
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