Bayer sichert sich Zugang zu einer der letzten großen Lücken im globalen Ackerbau. Der Leverkusener Konzern hat eine exklusive Lizenzvereinbarung mit dem französischen Saatgutunternehmen RAGT geschlossen. Ziel: ein kommerzielles Hybridweizen-Geschäft, das bis Mitte der 2040er Jahre auf bis zu eine Milliarde Euro Jahresumsatz wachsen soll.
Die Vereinbarung wurde am 15. Juli bekannt gegeben. Sie gibt Bayer Zugriff auf RAGTs Elite-Weizengenetik für Europa. Ab den frühen 2030er Jahren will der Konzern Hybridweizensaatgut gleichzeitig in Europa und Nordamerika einführen. In Europa liegt der Fokus auf Winterweizen, in Nordamerika deckt Bayer unter der Marke WestBred sowohl Winter- als auch Sommerweizen ab.
Warum Hybridweizen für Bayer attraktiv ist
Weizen ernährt rund 30 Prozent der Weltbevölkerung. Die Anbaufläche liegt weltweit bei über 220 Millionen Hektar. Trotzdem fehlen bislang breit verfügbare Hybridsorten – anders als etwa bei Mais, wo Hybridsaatgut längst Standard ist.
Genau hier setzt Bayer an. Nach Unternehmensangaben steigert Hybridweizen die Erträge gegenüber konventionellem Saatgut um rund zehn Prozent, mit Potenzial für weitere Zuwächse in den Folgejahren. Peter Müller, der bei Bayer den Bereich Cereals, Cotton, Canola/OSR & Biofuels leitet, verweist zusätzlich auf den Druck durch Dürren und Hitzewellen. Die Kombination aus RAGTs Genetik und Bayers Präzisionszüchtung, Pflanzenschutz und digitalen Anwendungen soll robustere Sorten liefern.
Bayer ist mit diesem Vorhaben nicht allein. Auch Syngenta hat bereits eigene Hybridweizen-Programme für Europa vorgestellt. Der Wettlauf um die Marktführerschaft im Hybridweizen hat damit einen weiteren ernstzunehmenden Teilnehmer.
Die Aktie zeigt sich robust
Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei 47,65 Euro. Über die vergangenen zwölf Monate hat sich der Kurs um 70,82 Prozent verteuert – ein deutliches Signal, dass der Markt dem Konzern nach Jahren der Unsicherheit wieder mehr zutraut. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, ist das Papier noch 11,53 Prozent entfernt.
Die Lizenzvereinbarung mit RAGT zahlt auf eine langfristige Strategie ein. Bayer will sein Agrargeschäft über die bestehenden Blockbuster-Produkte hinaus verbreitern und gleichzeitig zur globalen Ernährungssicherheit beitragen. Bis erste Umsätze aus dem Hybridweizen-Geschäft fließen, dürften allerdings noch Jahre vergehen – der Markteintritt ist frühestens für die frühen 2030er Jahre geplant.
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