Bayer-Aktien fallen am Freitag um 1,68 Prozent auf 49,85 Euro. Der Kurs bleibt damit unter dem Donnerstags-Schlusskurs von 50,70 Euro. Parallel dazu diskutieren Analysten wieder offen über eine mögliche Aufspaltung des Leverkusener Konzerns.
Grund für die neue Debatte sind zwei juristische Erfolge im Glyphosat-Streit. Mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele deutlich angehoben. Erstmals seit Längerem spekulieren sie damit wieder über eine strukturelle Neuordnung des Konzerns.
Teilbörsengang als neue Wette
Die Privatbank Berenberg hebt ihr Kursziel von 40,50 auf 55 Euro an, die Einstufung bleibt aber bei „Hold“. Goldman Sachs erhöht das Ziel von 55 auf 62,50 Euro und bestätigt „Buy“.
Beide Häuser begründen die höheren Ziele mit gesunkenem Prozessrisiko. Zwei Teilsiege trugen dazu bei: ein Sieg im Durnell-Verfahren und die Rückverweisung einer Anhörung im Vergleichsverfahren in Missouri. Beide Entwicklungen könnten den Weg zu einer Aufspaltung erleichtern.
Berenberg-Analyst Sebastian Bray geht noch einen Schritt weiter. Er spekuliert über einen Teilbörsengang des neu geordneten Monsanto- und Pflanzenschutzgeschäfts. Als Vergleich nennt er die BASF-Pläne für 2027 und passt seine Ergebnisprognosen entsprechend an.
Bayer widerspricht, Analysten uneinig
Der Konzern selbst tritt den Spekulationen entgegen. Die neue Einheit Ruveon soll Teil des Konzerns bleiben und nur mehr operative Flexibilität schaffen. Eine beschlossene Abspaltung gibt es offiziell nicht.
Hintergrund ist eine bereits vollzogene Umstrukturierung. Zum 1. Juli 2026 bündelte Bayer sein US-Glyphosatgeschäft in der neuen Ruveon LLC mit Sitz in St. Louis. Die Einheit bleibt vorerst Teil der Bayer Group.
Trotz der Kurszielanhebungen streiten Analysten weiter über die richtige Bewertung. Goldman Sachs und Deutsche Bank drücken aufs Gaspedal, Berenberg bremst vorsichtiger. Jedes Haus gewichtet die juristische Entlastung im Glyphosat-Streit unterschiedlich.
18 erfasste Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 51,92 Euro. Die Spanne reicht von 40,50 bis 65,00 Euro. Der Konsens lautet „Outperform“ und liegt damit knapp unter dem aktuellen Kursniveau.
Kurs kühlt sich ab
Die Kursreaktion fällt trotz der optimistischen Analystensignale gedämpft aus. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen kommt es nun zu Gewinnmitnahmen.
Auf Monatssicht steht bei Bayer dennoch ein Plus von 41,66 Prozent. Der Rücksetzer bringt den Kurs aber wieder näher an die runde Marke von 50 Euro.
Der aktuelle Kurs liegt 7,45 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro. Das Hoch datiert vom 3. Juli.
Die technischen Indikatoren bestätigen das gemischte Bild. Der RSI von 68,8 signalisiert weiterhin erhöhte Marktdynamik. Die annualisierte Volatilität von 62,12 Prozent deutet auf anhaltende Nervosität hin.
Auf Jahressicht hat sich der Kurs damit fast verdoppelt – ein Plus von 79,80 Prozent.
Ohne eine endgültige Entscheidung in den MDL-Verfahren bleibt die Aufspaltung reine Analystenspekulation. Bayer hat bislang jeden Hinweis auf einen Teilverkauf zurückgewiesen. Sollte sich die juristische Lage weiter entspannen, dürfte die Debatte um ein „neues Monsanto“ an Fahrt gewinnen.
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