Goldman Sachs traut Bayer jetzt deutlich mehr zu. Die US-Bank hebt ihr Kursziel für den Leverkusener Konzern von 55 auf 62,50 Euro an. Das Rating „Buy“ bleibt bestehen. Analyst James Quigley senkt seine Risikoannahmen für die Kapitalkosten – die Rechtsstreitigkeiten um Glyphosat belasten den Konzern aus seiner Sicht weniger als bisher gedacht.
Bei den anstehenden Quartalszahlen im August rechnet Quigley nicht mit großen Überraschungen. Spannender findet er einen anderen Punkt: Nach dem Glyphosat-Thema dürfte sich der Blick der Anleger zunehmend auf eine mögliche Konzernaufspaltung richten. Genau das könnte den Bewertungsabschlag der Aktie weiter verringern.
Die neue Glyphosat-Struktur als Auslöser
Der Hintergrund für die veränderte Risikoeinschätzung liegt in einer Umstrukturierung, die Bayer Anfang Juli vollzogen hat. Der Konzern hat sein US-Glyphosat-Geschäft in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Die neue Einheit trägt den Namen Ruveon LLC und sitzt in St. Louis, Missouri.
Ruveon übernimmt künftig Preisgestaltung, Markteinführung, Produktion und Logistik für das US-Geschäft. Der Bayer-Konzern bleibt weiterhin alleiniger Eigentümer. Auch die Deutsche Bank reagiert auf diesen Schritt: Analystin Virginie Boucher-Ferte stuft die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nennt ein Kursziel von 60 Euro. Als Grund führt sie nachlassende Sorgen rund um das Glyphosat-Geschäft an.
Der Kurs läuft der Fantasie voraus
Die Rally der vergangenen Wochen ist beachtlich. Bayer schloss am Montag bei 50,98 Euro, nach einem Plus von 43,28 Prozent allein in den vergangenen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 34,07 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar fast eine Verdopplung mit 95,66 Prozent.
Diese Dynamik hinterlässt Spuren in den technischen Indikatoren. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 75,2 und signalisiert damit überkauftes Terrain. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 39,11 Euro beträgt rund 30 Prozent – ein ungewöhnlich großer Wert, der die Geschwindigkeit des Anstiegs verdeutlicht.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, ist der Titel aktuell nur noch 5,35 Prozent entfernt. Trotz der optimistischen Kurszielanhebungen mahnen Marktbeobachter deshalb zur Vorsicht: Nach einem derart steilen Anstieg braucht jede weitere Aufwärtsbewegung neue, handfeste Nachrichten.
Der Sammelvergleich muss noch vor Gericht
Für die weitere Kursentwicklung bleibt der Ausgang der offenen Glyphosat-Verfahren entscheidend. Der milliardenschwere Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar benötigt noch die finale gerichtliche Genehmigung. Parallel dazu rückt die operative Entwicklung des Konzerns stärker in den Fokus der Anleger.
Sollte sich die von Goldman Sachs skizzierte Neubewertung durch einen möglichen Konzernumbau tatsächlich bestätigen, könnte dies den historisch hohen Bewertungsabschlag der Bayer-Aktie weiter schrumpfen lassen. Die Quartalszahlen im August liefern den nächsten konkreten Test dafür, ob die Erwartungen der Analysten mit der operativen Realität übereinstimmen.
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