Bayer und die Klägerseite im US-Glyphosat-Streit haben gemeinsam beantragt, die Anhörung zur endgültigen Genehmigung des Sammelvergleichs zu verschieben. Ursprünglich für den 10. September vorgesehen, soll der Termin nun auf diesen Tag oder später fallen – ein weiterer Bericht nennt den 14. September als neuen Ansatzpunkt. Grund für die Verzögerung ist mehr Zeit für Widerrufsanträge einzelner Kläger, die nach der Entscheidung des US Supreme Court eingegangen sind. Das Gericht in Missouri muss über den Aufschub noch entscheiden.
Die rechtliche Ausgangslage hatte sich für Bayer zuvor deutlich verbessert. Ende Juni entschied der Supreme Court im Fall Durnell mit sieben zu zwei Stimmen, dass Bundesrecht die einzelstaatlichen Vorschriften zu Warnhinweisen auf Glyphosat-Produkten verdrängt, da die US-Umweltbehörde EPA das Etikett genehmigt hatte. Bayer-Chef Bill Anderson bezeichnete diesen Sieg als Stärkung der Position für den geplanten Sammelvergleich und sprach von einer soliden Ausgangslage mit wichtigen Etappen, die noch bevorstehen.
Q2-Zahlen liefern operative Rückendeckung
Parallel zur juristischen Entwicklung legte Bayer am Dienstag den Halbjahresbericht vor. Der Konzernumsatz im zweiten Quartal stieg um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro. Besonders die Sparte Crop Science überzeugte: Der Umsatz wuchs um 3,5 Prozent auf 4,910 Milliarden Euro, das EBITDA sprang um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro. Pharmaceuticals und Consumer Health entwickelten sich dagegen verhaltener, beide Sparten meldeten beim EBITDA einen Rückgang von 3,6 Prozent.
Das Kern-Ergebnis je Aktie fiel um 16,7 Prozent auf 0,95 Euro, während sich das Nettoergebnis auf 219 Millionen Euro verbesserte. Der freie Cashflow rutschte mit minus 371 Millionen Euro ins Negative, unter anderem wegen höherer Vergleichszahlungen. Bayer bestätigte dennoch den währungsbereinigten Jahresausblick und rechnet nun mit einer Nettofinanzverschuldung von 29 bis 30 Milliarden Euro zum Jahresende – deutlich weniger als die zuvor genannten 32 bis 33 Milliarden Euro. Auf Basis aktueller Wechselkurse erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 44,7 und 46,7 Milliarden Euro sowie ein Kern-EPS von 4,20 bis 4,70 Euro. Zur Bilanzentlastung trägt auch eine im Juli vereinbarte Transaktion mit dem Finanzinvestor Apollo Global Management bei, der über eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft für Bayers Verhütungsmittel-Geschäft 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital einbringt; Bayer behält Mehrheit und operative Kontrolle, der Abschluss wird für das dritte Quartal erwartet.
Analysten reagieren mit spürbaren Kurszielanhebungen
Die Kombination aus stabilisiertem operativem Geschäft und entlasteter Bilanz überzeugte mehrere Analysehäuser. Goldman-Sachs-Analyst James Quigley hob das Kursziel am Mittwoch von 62,50 auf 63,50 Euro an und beließ die Einstufung auf „Buy“. Die UBS zog nach: Analyst Matthew Weston erhöhte sein Ziel von 52 auf 62 Euro, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung, und verwies darauf, dass das operative Kernergebnis die Konsensprognose um rund zehn Prozent übertroffen habe. JPMorgan beließ die Einstufung „Overweight“ bei einem Kursziel von 50 Euro, während die DZ Bank ihren fairen Wert von 54 auf 60 Euro anhob und eine operative Stabilisierung sowie Fortschritte beim Schuldenabbau als Argumente nannte.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Nach drei Wochen Seitwärtsbewegung war das Papier am Mittwoch zeitweise wieder über die 50-Euro-Marke gestiegen, gestützt von den Kurszielanhebungen. Der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 49,38 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,07 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, fehlen der Aktie noch 8,32 Prozent – trotz der jüngsten Analystenzuversicht bleibt damit Luft nach oben, bevor die Anhörung im September neue Impulse liefern könnte.
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