Bayer hat binnen weniger Wochen zwei juristische Weichenstellungen erreicht, die den Konzern von seiner größten Altlast weiter entfernen. Nach dem Urteil des US-Supreme-Court im Fall Durnell Ende Juni verschiebt sich nun auch die Anhörung zum milliardenschweren Glyphosat-Vergleich um rund drei Wochen – vom 19. August auf den 14. September.
Bayer und die Klägeranwälte hatten die Verschiebung gemeinsam beantragt. Ziel ist es, den Betroffenen mehr Zeit für den Widerruf ihres Opt-outs aus dem Sammelvergleich über 6,3 Milliarden Euro zu geben. Je mehr Kläger sich dem Vergleich anschließen, desto planbarer wird für Bayer das finanzielle Restrisiko aus den Roundup-Klagen.
Supreme Court stärkt Bayers Rechtsposition
Der Supreme Court hatte zuvor mit 7:2 Stimmen zugunsten Bayer entschieden: Bundesrecht verdrängt Warnhinweis-Klagen gegen Roundup, weil die Zulassungsvorgaben der US-Umweltbehörde EPA Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten haben. Damit wird tausenden Klagen wegen angeblich unzureichender Krebs-Warnhinweise die rechtliche Grundlage entzogen. Für Bayer ist das Urteil ein strategischer Hebel, um bei der Anhörung im September eine belastbarere Verhandlungsposition zu haben.
Parallel zur juristischen Front baut Bayer sein operatives US-Geschäft um: Anfang Juli wurde das amerikanische Glyphosatgeschäft in einer neuen Tochtergesellschaft namens Ruveon mit Sitz in St. Louis gebündelt. Ruveon bleibt Teil des Konzerns, verantwortet künftig aber eigenständig Preisgestaltung, Produktion und Logistik – eine Struktur, die auf die speziellen Marktdynamiken in den USA zugeschnitten sein soll.
Zahlen und Bilanz liefern Rückenwind
Die operative Basis für diese Manöver liefern solide Quartalszahlen. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Bayer den bereinigten Gruppenumsatz um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereffekten legte um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro zu.
Besonders die Sparte Crop Science überzeugte mit einem EBITDA-Sprung von 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro, während der Konzerngewinn je Aktie (Core EPS) um 16,7 Prozent auf 0,95 Euro sank. Die Jahresguidance mit einem Umsatzkorridor von 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro und einem Core EPS zwischen 4,20 und 4,70 Euro bestätigte der Konzern unverändert.
Zusätzlich verschafft sich Bayer finanziellen Spielraum: Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende 2026 nur noch bei 29 bis 30 Milliarden Euro liegen statt der zuvor avisierten 32 bis 33 Milliarden Euro.
Diese Revision spiegelt bereits die im Juli vereinbarte Kapitalspritze von Apollo über 3,0 Milliarden Euro für eine Minderheitsbeteiligung am Langzeit-Verhütungsgeschäft LARC wider – Bayer behält dabei die Mehrheit und die operative Kontrolle.
Was das für Anleger bedeutet
Die Aktie hat die Nachrichtenlage bislang honoriert und notiert klar über ihren gleitenden Durchschnitten der vergangenen Monate, was auf eine anhaltend positive mittelfristige Tendenz hindeutet.
Der Kurs bewegt sich zugleich rund neun Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Markt trotz der jüngsten juristischen und operativen Fortschritte noch Zurückhaltung übt, bis am 14. September Klarheit über die tatsächliche Beteiligung am Glyphosat-Vergleich herrscht.
Für Anleger bleibt der September-Termin der zentrale Prüfstein: Gelingt es Bayer, die Zahl der Opt-outs weiter zu reduzieren, wäre das ein weiterer Schritt zur Kalkulierbarkeit der Rechtsrisiken – neben der bereits sinkenden Verschuldung ein zusätzliches Argument für die Bullen.
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