Bayer-Aktionäre erleben diese Woche eine kalte Dusche nach der Rally. Der Kurs fällt auf 50,18 Euro und verliert damit 1,03 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,39 Prozent zu Buche. Der Grund liegt nicht im Geschäft selbst, sondern vor einem Gericht in San Francisco.
Bundesrichter prüft Schicksal von 4.000 Klagen
Im Zentrum steht eine Statuskonferenz vor Bundesrichter Vincent Chhabria. Ursprünglich für Dienstag angesetzt, verschob Chhabria den Termin auf Donnerstag. Er wollte von beiden Seiten mehr Details zu den Folgen eines Supreme-Court-Urteils erhalten.
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Ende Juni entschieden: Kläger können Bayer nicht wegen eines fehlenden Krebs-Warnhinweises auf Roundup verklagen. Bayer sieht darin die Grundlage, um das gesamte gebündelte Bundesverfahren zu Fall zu bringen. Nach Gerichtsakten sind knapp 4.000 Klagen betroffen. Bayer selbst spricht von nur rund 200 Fällen und verweist auf veraltete Daten.
Richter Chhabria zeigte sich mit den Argumenten beider Seiten unzufrieden. In einer Anordnung vom Montag forderte er beide Parteien auf, sich auf komplexe Rechtsfragen einzustellen. Niemand solle davon ausgehen, dass alle Fälle automatisch abgewiesen oder alle fortgeführt würden.
Die Klägerseite widerspricht Bayers Lesart entschieden. Ihre Anwälte argumentieren, das Supreme-Court-Urteil betreffe nur das Etikett. Andere Vorwürfe wie Konstruktionsfehler oder Fahrlässigkeit blieben davon unberührt.
Zweigleisige Strategie: Gericht und Vergleich
Parallel zum Bundesverfahren verfolgt Bayer einen zweiten Weg. Die meisten Glyphosat-Klagen will der Konzern über einen Vergleich in Höhe von 7,25 Milliarden US-Dollar beilegen. Ein Richter in Missouri soll diesen Vergleich im August prüfen.
Bayer fährt damit zweigleisig: vollständige Abweisung auf Bundesebene, Vergleich für die verbleibenden Fälle auf Bundesstaatsebene.
Analysten heben Kursziele an
Mehrere Investmentbanken haben ihre Einschätzung zu Bayer angepasst. Die Privatbank Berenberg hebt das Kursziel von 40,50 auf 55 Euro an, belässt die Einstufung aber bei „Hold“. Analyst Sebastian Bray nennt zwei juristische Erfolge als Begründung: den Durnell-Fall und die Rückverweisung einer Anhörung im Missouri-Verfahren.
Bray bringt sogar eine Aufspaltung des Konzerns ins Spiel. Ein teilweiser Börsengang des „neuen Monsanto“-Geschäfts könnte dem BASF-Plan für einen Agrarchemie-Spin-off im Jahr 2027 ähneln.
JPMorgan bestätigt unterdessen die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 50 Euro. Analyst Richard Vosser rechnet für Anfang August mit soliden Quartalszahlen. Unveränderte Jahresziele dürften die Markterwartungen bestätigen.
Charttechnik zeigt Überhitzung
Nach der kräftigen Rally der vergangenen Wochen gilt die Aktie technisch als überkauft. Der RSI liegt bei 70,4 auf 14-Tage-Basis. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 40,16 Euro beträgt rund 25 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 61,88 Prozent. Diese Zahl zeigt, wie nervös der Markt die anstehenden juristischen Entscheidungen begleitet.
Zwei Termine bleiben für die kommenden Wochen entscheidend. Erstens der Ausgang des Bundesverfahrens vor Richter Chhabria. Zweitens die Anhörung am 19. August zur endgültigen Genehmigung des Missouri-Vergleichs. Beide Entscheidungen werden zeigen, ob die aufgehellte Analystenstimmung Bestand hat.
Bayer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bayer-Analyse vom 10. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Bayer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bayer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Bayer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
