Die Pharmasparte liefert, die Agrarsparte enttäuscht: Bayer hat im dritten Quartal die Erwartungen beim Umsatz und beim operativen Ergebnis übertroffen und die Jahresziele angehoben. Die Aktie legt am Dienstag zwischen 5 und 6 Prozent zu und nähert sich ihrem Jahreshoch.
Pharma als Treiber
Der Konzernumsatz stieg um 4,1 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA kletterte um 6,9 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro, Analysten hatten nur mit rund 1,43 Milliarden gerechnet.
Den Unterschied machte das Pharmageschäft. Dort wuchs der Umsatz um 8 Prozent, das bereinigte EBITDA sprang um knapp 24 Prozent. Die beiden neuen Blockbuster Nubeqa gegen Prostatakrebs und Kerendia für Herz und Niere trugen den Zuwachs. Konzernchef Bill Anderson sprach von einem Wendepunkt: „Wir sehen, dass es aufwärts geht.“
Jefferies relativiert allerdings. Analyst Michael Leuchten verweist darauf, dass Erlöse aus dem Verkauf von Nicht-Kerngeschäften und geringere Lagerwertberichtigungen das Ergebnis gestützt haben könnten. Das Haus beließ die Aktie bei „Hold“ mit einem Kursziel von 46 Euro, also klar unter dem aktuellen Kurs.
Schwächen unter der Oberfläche
Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 672 Millionen Euro, wenn auch weniger als die 963 Millionen im Vorjahresquartal. Die Analysten hatten allerdings einen deutlich kleineren Verlust erwartet. Wertminderungen auf Xofigo und Claritin von zusammen 522 Millionen Euro sowie Kosten für Rechtsstreitigkeiten belasteten das Ergebnis.
Das Kernergebnis je Aktie rutschte mit minus 0,31 Euro ins Negative und verfehlte die Erwartung. Auch der Free Cashflow lag mit minus 293 Millionen Euro im Minus, unter anderem wegen höherer Zahlungen zur Beilegung juristischer Verfahren.
Die Agrarsparte enttäuschte ebenfalls: Ihr Ergebnis brach um 41 Prozent ein, deutlicher als befürchtet. Das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten verlor 4,4 Prozent.
Prognose angehoben
Für 2026 erwartet Bayer nun ein bereinigtes EBITDA von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro, zuvor waren es 9,6 bis 10,1 Milliarden. Die Marge im Pharmageschäft soll bei 25 bis 27 Prozent liegen, bisher waren 23 bis 25 Prozent vorgesehen.
Beim Free Cashflow peilt der Konzern minus 1,5 bis minus 0,5 Milliarden Euro an, eine Verbesserung um 1 Milliarde. Die Nettofinanzverschuldung soll Ende des Jahres bei 28 bis 29 Milliarden Euro liegen. Finanzchefin Judith Hartmann begründete die Anhebung mit der bisherigen Entwicklung im Jahresverlauf. Die übrigen Ziele bleiben unverändert.
Der Kursanstieg fällt in ein schwaches Marktumfeld: Der DAX gibt nach, weil ein Ölpreis über 100 Dollar je Barrel die Risikobereitschaft dämpft. Bayer steigt gegen diesen Trend auf rund 53 Euro, das Jahreshoch liegt bei 53,92 Euro. Wird dieses Niveau überschritten, wäre das technisch ein neues Signal für die Aktie.
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