Fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten in einem einzigen Jahr — das ist die Zahl, die bei Bayer gerade alles überschattet. Der Leverkusener Konzern meldet zwar Fortschritte in der Pipeline und expandiert in Asien. Trotzdem könnte der freie Cashflow 2026 negativ bleiben.
Glyphosat frisst die Kasse
Der Glyphosat-Komplex in den USA bleibt das zentrale Finanzproblem. Rund 5 Milliarden Euro plant Bayer allein 2026 für Vergleiche und Rechtskosten ein. Die Nettofinanzverschuldung steigt laut aktuellen Schätzungen auf 32 bis 33 Milliarden Euro.
Das ist eine schwere Hypothek für die laufende Restrukturierung. Finanzvorständin Dr. Judith Hartmann, seit Juni im Amt, muss nun zeigen, wie sie die Schuldenlast trotz dieser Abflüsse begrenzt. Ein wichtiger Termin steht bereits an: Am 9. Juli findet in St. Louis eine finale Anhörung zur Genehmigung eines weiteren Milliardenvergleichs statt.
Pipeline liefert, China wächst
Auf der operativen Seite gibt es echte Fortschritte. Am 15. Juni genehmigte die FDA das MRT-Kontrastmittel AMBELVIST® — mit der bisher niedrigsten Dosierung seiner Art auf dem US-Markt. Japan hatte das Präparat bereits im März 2026 zugelassen. Zulassungsanträge für die EU und China laufen.
In China eröffnete Bayer im Juni ein Innovationszentrum in der Provinz Shandong. Der chinesische Markt ist für die Sparte Consumer Health weltweit die zweitwichtigste Region. Das Zentrum soll lokales Verbraucherwissen in die globale Forschung einspeisen — Schwerpunkt Haut- und Verdauungsgesundheit.
Kurs stabilisiert, aber kein Ausbruch
Die Aktie notiert bei 37,86 Euro, knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 37,70 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von rund 43 Prozent — allerdings liegt der Kurs noch etwa 24 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Februar.
Charttechnisch hat das Überschreiten der 200-Tage-Linie das Bild aufgehellt. Der übergeordnete Abwärtstrend gilt erst dann als gebrochen, wenn die Aktie nachhaltig neue lokale Hochs markiert. Solange die Glyphosat-Lasten nicht abschließend geklärt sind, bleibt das Papier anfällig für Rücksetzer. Die Anhörung am 9. Juli könnte ein erster Katalysator sein.
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