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Bayer Aktie: 300 Millionen für PER-001-Übernahme

Bayer überzeugt operativ mit Umsatz- und Ergebnisplus, während der Fokus auf der vielversprechenden Pharma-Pipeline liegt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzwachstum von 4,1 Prozent
  • Übernahme von Perfuse Therapeutics
  • Positive Phase-III-Daten für Kerendia
  • Technischer Ausbruch über 200-Tage-Linie

Während der Markt bei Bayer fast ausschließlich auf Glyphosat und den Supreme Court starrt, baut der Konzern still eine Pharma-Pipeline auf. Sie könnte mittelfristig mehr wert sein als alle juristischen Schlagzeilen zusammen.

Mehr als ein Rechtsproblem

Bayer ist in der öffentlichen Wahrnehmung zum Synonym für Klagewellen geworden. Die Aktie bleibt auch im Juni 2026 einer der umstrittensten Werte im DAX. Das ist verständlich — aber es verstellt den Blick auf das, was operativ gerade passiert.

Im ersten Quartal 2026 stiegen die Konzernumsätze währungsbereinigt um 4,1 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sonderposten legte um 9,0 Prozent auf 4,45 Milliarden Euro zu. Das sind keine Zahlen eines Unternehmens im freien Fall. Das ist ein Konzern im Umbau, der operativ liefert.

Ophthalmologie als strategische Wette

Der Zug, der am meisten Aufmerksamkeit verdient, ist die geplante Übernahme von Perfuse Therapeutics. Bayer sichert sich damit die vollständigen Rechte an PER-001 — einem niedermolekularen Endothelin-Rezeptor-Antagonisten in Phase-II-Entwicklung für Glaukom und diabetische Retinopathie.

Der Deal umfasst eine Vorauszahlung von 300 Millionen US-Dollar plus Meilensteinzahlungen für Entwicklung, Zulassung und Vermarktung. Phase-2b/3-Studien plant Bayer für die zweite Jahreshälfte 2026.

Was macht PER-001 interessant? Der Wirkstoff zielt auf die Verbesserung des Gesichtsfelds bei Glaukom-Patienten und auf die Kontrastempfindlichkeit bei diabetischer Retinopathie ab. Das ist ein Wirkmechanismus, den bisherige Therapien nicht adressieren. Bayer vermarktet über die Partnerschaft mit Regeneron bereits Eylea in der Ophthalmologie. PER-001 ergänzt dieses Standbein sinnvoll — das ist industrielle Logik, keine Diversifikation um der Diversifikation willen.

Kerendia und Consumer Health

Weniger spektakulär, aber substanziell: Im Juni 2026 veröffentlichte Bayer Phase-III-Ergebnisse der FIND-CKD-Studie. Sie zeigen, dass Kerendia (Finerenon) bei nicht-diabetischer chronischer Nierenerkrankung die Krankheitsprogression signifikant verlangsamt. Bislang war die Zulassung auf diabetische Nierenerkrankung beschränkt. Das potenzielle Patientenprofil wächst damit erheblich.

Am 8. Juni gab Bayer personelle Veränderungen in der Führung der Consumer Health Division bekannt. Neue globale Führungskräfte für Marketing und Commercial Operations, ein neuer Präsident für das US-Geschäft — den größten Einzelmarkt der Sparte. Solche Personalwechsel sind kein Selbstzweck. Sie signalisieren, dass das Management die Sparte als Wachstumsträger betrachtet, nicht als Auslaufmodell.

Die differenzierte These

Bayer ist kein einfaches Investment. Allein im ersten Quartal 2026 flossen netto rund 2,0 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten ab. Die Netto-Finanzschulden lagen zum 31. März bei 32,5 Milliarden Euro. Das bleibt eine schwere Hypothek.

Wer die Aktie jedoch nur durch die Linse des Glyphosat-Risikos betrachtet, übersieht die klinischen Fortschritte in Ophthalmologie, Onkologie und Nephrologie. Am 11. Juni kreuzte die Bayer-Aktie die 200-Tage-Linie nach oben — ein technisches Signal, das zeigt, dass der Markt die Waagschale neu zu justieren beginnt.

Die These ist klar: Der operative Bayer ist besser als sein Ruf. Wann der Markt das vollständig einpreist, hängt weniger von Kerendia oder PER-001 ab als vom Ausgang des Supreme-Court-Verfahrens. Aber die Pipeline-Substanz ist da — und das räumen selbst hartgesottene Pessimisten kaum ein.

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