Bayer hat am Wochenende gleich zwei große Nachrichten geliefert. Der Konzern sichert sich frisches Kapital von einem US-Investor. Zugleich geht er juristisch in die Offensive gegen tausende Glyphosat-Klagen. Ein dritter Punkt könnte den positiven Trend allerdings stören: Ausgerechnet die eigenen Verbündeten aus der Landwirtschaft üben scharfe Kritik.
Apollo bringt drei Milliarden Euro frisches Kapital
Bayer holt sich den Finanzinvestor Apollo Global Management als Partner ins Boot. Apollo zahlt 3,0 Milliarden Euro und übernimmt dafür eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft. Bayer bündelt darin sein Geschäft mit Langzeit-Verhütungsmitteln, zu dem die Marken Mirena und Kyleena gehören.
Diese Sparte erlöste 2025 rund 1,37 Milliarden Euro. Bayer behält die Mehrheit der Anteile und die volle operative Kontrolle. Der Konzern stärkt damit seine Eigenkapitalbasis, ohne die Führung über ein profitables Geschäft abzugeben. Den Abschluss der Transaktion plant Bayer für das dritte Quartal 2026.
Bayer greift bei Glyphosat-Klagen an
Der zweite große Schritt betrifft die juristische Front in den USA. Bayer beantragt bei US-Bundesgerichten die Abweisung von rund 4.000 gebündelten Glyphosat-Klagen. Grundlage dafür ist ein Urteil des Supreme Court im Fall Monsanto gegen Durnell.
Die Richter entschieden Ende Juni mit 7 zu 2 Stimmen: Bundesrecht hat Vorrang vor den Warnhinweis-Ansprüchen einzelner US-Bundesstaaten. Die US-Umweltbehörde EPA stuft Glyphosat wiederholt als nicht krebserregend ein. Damit ist das Fehlen von Krebswarnungen auf den Etiketten rechtlich gedeckt. Gelingt Bayer die Abweisung der Klagen, verbessert sich die finanzielle Planbarkeit für die kommenden Jahre erheblich.
Bauernverbände wenden sich gegen Bayer
Ausgerechnet jene Gruppen, die Bayer vor dem Supreme Court noch unterstützt hatten, üben nun scharfe Kritik. Grund ist ein Antrag der Bayer-Tochter Monsanto und der neuen Einheit Ruveon LLC. Beide fordern hohe Strafzölle gegen chinesische Glyphosat-Importe.
Die geforderten Zölle liegen zwischen 69 und 446 Prozent. Bayer begründet dies mit Dumpingpreisen chinesischer Hersteller auf dem US-Markt. US-Landwirte befürchten dadurch deutlich steigende Kosten für Pflanzenschutzmittel. Die Verstimmung trifft Bayer in einer für die Sparte Crop Science zentralen Kundengruppe.
Aktie technisch überkauft
Die Bayer-Aktie schloss am Freitag bei 50,18 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von knapp 32 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von rund 82 Prozent. Allein in den vergangenen 30 Tagen legte der Kurs um über 39 Prozent zu.
Der RSI von 70,4 zeigt eine überkaufte Lage an. Der Kurs liegt rund 25 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 33 Prozent über der 200-Tage-Linie. Die annualisierte Volatilität von fast 62 Prozent bleibt hoch. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen noch etwa 7 Prozent.
Am 7. August legt Bayer die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Bis dahin entscheidet sich, ob die Kombination aus Kapitalspritze und juristischem Gegenangriff den Kurs stabil in Richtung des Jahreshochs trägt, oder ob der Streit mit den Landwirten die Stimmung kippt.
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