Bayer hat mit den Zahlen für das zweite Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten übertroffen. Der Leverkusener Konzern meldete am Dienstag einen währungs- und portfoliobereinigten Umsatzanstieg von 2,2 Prozent auf 10,87 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 1,9 Prozent auf 2,14 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 219 Millionen Euro – nach einem Verlust von 199 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zusätzlich senkte der Konzern seine Zielgröße für die Nettofinanzverschuldung auf einen Korridor von 29 bis 30 Milliarden Euro.
Crop Science treibt das Ergebnis, Pharma zeigt gemischtes Bild
Die Sparte Crop Science steuerte den größten Ergebnissprung bei: Der operative Gewinn stieg um fast ein Drittel auf 902 Millionen Euro. Effizienzprogramme griffen, zugleich profitierte die Division von starker Nachfrage nach Dicamba-Saatgut in den USA. Im Pharmageschäft glichen Zuwächse bei den Präparaten Nubeqa und Kerendia die rückläufigen Umsätze des Gerinnungshemmers Xarelto aus. Insgesamt liefert der Konzern damit ein Zwischenfazit, das nach Jahren der Belastung durch Rechtsstreitigkeiten und hohe Schulden wieder operative Stärke in den Vordergrund rückt.
Goldman Sachs und UBS werten deutlich auf
Die frischen Geschäftszahlen sorgten prompt für Bewegung bei den Analystenhäusern. Goldman-Sachs-Analyst James Quigley hob am Mittwoch das Kursziel für Bayer von 62,50 auf 63,50 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung mit Verweis auf die starke operative Entwicklung des Konzerns. UBS ging noch weiter und stufte Bayer gleich von „Neutral“ auf „Buy“ hoch, das Kursziel wanderte von 52,00 auf 62,00 Euro nach oben. Begründet wurde der Schritt damit, dass das operative Ergebnis der Kernaktivitäten die Erwartungen deutlich übertroffen habe. Auch eine weitere Bank erhöhte in dieser Woche ihren fairen Wert für die Aktie auf 60,00 Euro und verwies dabei auf die reduzierte Nettoverschuldung sowie operative Fortschritte. Die Kursziele der Häuser bewegen sich damit inzwischen in einer Spanne zwischen 60 und 63,50 Euro – durchweg oberhalb des aktuellen Kursniveaus.
Glyphosat-Anhörung verschiebt sich auf September
Parallel zur operativen Erholung bleibt der Glyphosat-Rechtsstreit ein Unsicherheitsfaktor. Das zuständige Gericht im US-Bundesstaat Missouri hat die Anhörung zur finalen Genehmigung des milliardenschweren Sammelvergleichs auf den 14. September 2026 verschoben. Das Vergleichsvolumen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar soll über 21 Jahre laufen. Grund für die Verschiebung sind juristische Detailfragen zu Kläger-Widerrufen, die im Zuge eines Urteils des US-Supreme-Court entstanden waren. Das oberste Gericht hatte Ende Juni entschieden, dass Zulassungsvorgaben der Bundesbehörde EPA Vorrang vor bundesstaatlichen Warnhinweis-Pflichten haben – ein Urteil, das vielen anhängigen Glyphosat-Klagen die rechtliche Grundlage entzieht. Für Anleger bedeutet die neue Terminverschiebung vor allem eines: Die endgültige Kalkulierbarkeit der Rechtsrisiken bleibt bis zum Herbst aufgeschoben.
Aktie nähert sich altem Hoch
Der Kapitalmarkt hat die Kombination aus starken Zahlen und Analystenlob honoriert. Zum Freitagsschluss notierte die Bayer-Aktie bei 49,90 Euro, ein Plus von 1,05 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn hat das Papier um 34,83 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, trennen die Aktie nun noch 7,35 Prozent. Technische Indikatoren wie ein RSI von 63,6 deuten dabei nicht auf eine überkaufte Marktlage hin. Der nächste Belastungstest für den Kurs dürfte die Anhörung im September werden – bis dahin bleibt die operative Erholung der eigentliche Treiber der Aktie.
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