BASF fordert Änderungen am europäischen Emissionshandel, um die Kostenbelastung der Chemieindustrie zu begrenzen. Wie die FAZ heute berichtet, hat sich BASF-Chef Markus Kamieth gemeinsam mit Covestro-Chef Markus Steilemann an Kanzler Friedrich Merz gewandt. Für Anleger geht es um die künftige Wettbewerbsfähigkeit: Eine Entlastung würde BASF helfen, sofern die Politik die geforderten Änderungen tatsächlich umsetzt.
Kamieth warnt vor steigenden Zertifikatskosten
Nach Kamieths Einschätzung könnten die Kosten für Emissionszertifikate bei BASF bis Ende des nächsten Jahrzehnts auf 1 Mrd. Euro steigen. Die beiden Unternehmenschefs kritisieren insbesondere geplante Investitionsauflagen für vorübergehend kostenlos zugeteilte Zertifikate. Außerdem verlangen sie einen flacheren Reduktionspfad.
Damit richtet sich der Vorstoß sowohl gegen mögliche Zusatzkosten als auch gegen Bedingungen für die Entlastung. Für BASF wäre eine Anpassung vorteilhaft, wenn sie finanziellen Spielraum für Investitionen erhält. Wie stark der Konzern profitieren könnte, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab.
Der politische Konflikt liegt damit zwischen industrieller Wettbewerbsfähigkeit und dem Tempo der Emissionssenkung. BASF setzt auf günstigere Rahmenbedingungen; deren Nutzen entscheidet sich daran, wie verlässlich Unternehmen ihre künftigen Belastungen und Investitionen planen können.
Kostenentlastung trifft auf Klimaziele
Das im Bericht genannte EU-Ziel sieht vor, die Nettoemissionen bis 2040 gegenüber 1990 um 90% zu senken. Die Forderung nach einem flacheren Reduktionspfad berührt damit die zeitliche Verteilung der Klimaschutzanstrengungen.
Eine politische Einigung müsste die Interessen der Industrie mit diesem Ziel verbinden. Für BASF spricht der mögliche Gewinn an Planungssicherheit, sofern eine Reform längerfristig tragfähige Regeln schafft.
Die Organisation Carbon Market Watch beziffert die bisherigen jährlichen Gratiszertifikate für die energieintensive Industrie auf rund 39 Mrd. Euro. Diese Größenordnung macht deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung die kostenlose Zuteilung für die begünstigten Branchen hat.
Eigene Investitionen bleiben entscheidend
BASF verfolgt zugleich technische Maßnahmen zur Emissionssenkung. Eine Industriewärmepumpe soll ab Mitte 2027 jährlich bis zu 500.000 Tonnen CO₂-freien Dampf liefern. Das Projekt bietet einen konkreten Ansatz zur Umstellung der Energieversorgung, sofern es wie geplant in Betrieb geht und die vorgesehene Leistung erreicht.
Für Anleger stehen deshalb politische Entlastung und eigene Umsetzung nebeneinander. Eine Reform des Emissionshandels könnte den Kostendruck begrenzen, sofern BASF günstigere Bedingungen erhält. Die Wärmepumpe könnte parallel die industrielle Transformation voranbringen, wenn der geplante Betriebsstart gelingt. An diesen beiden Punkten lässt sich beurteilen, ob der Konzern seine Kostenrisiken wirksam verringert.
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