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BASF Aktie: Versprochene Fortschritte?

BASF investiert 8,7 Milliarden Euro in ein neues Megawerk in China, während Investoren vor geopolitischen Risiken und Überkapazitäten warnen und der Konzern im Heimatmarkt kämpft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Größte Einzelinvestition der Konzerngeschichte in China
  • Investoren warnen vor geopolitischen Risiken und Überkapazitäten
  • Chemieindustrie erlebt schwierigste Phase seit 25 Jahren
  • Konzernumbau mit Verkäufen und Fokussierung auf Kernsparten

8,7 Milliarden Euro. So viel investiert BASF in sein neues Mega-Werk im chinesischen Zhanjiang – die größte Einzelinvestition der Konzerngeschichte. Im ersten Quartal 2025 startet die Produktion. Doch während der Chemieriese auf den vermeintlichen Zukunftsmarkt setzt, warnen kritische Stimmen vor einem fatalen Déjà-vu. Die Erinnerungen an die teuren Russland-Abschreibungen sind noch frisch.

Der Standort Zhanjiang soll nach Ludwigshafen und Antwerpen zum drittgrößten Verbundstandort von BASF werden. Auf vier Quadratkilometern – fast so groß wie die Insel Mainau – arbeiten künftig 2.000 Mitarbeiter. Die Anlage umfasst einen Steamcracker mit einer Kapazität von einer Million Tonnen Ethylen pro Jahr sowie mehrere Produktionsstätten für Petrochemikalien und Zwischenprodukte.

Warum ausgerechnet China?

Die Rechnung von BASF klingt zunächst einleuchtend: Rund 80 Prozent des Wachstums in der Chemieindustrie bis 2035 soll auf Asien-Pazifik entfallen. China allein kontrolliert etwa 50 Prozent des globalen Chemiemarkts. Dagegen erwirtschaftet BASF dort aktuell nur 13 Prozent seines Gesamtumsatzes – deutlich weniger als in den USA oder Europa.

Eine Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Peking aus dem Dezember zeigt: 84 Prozent der befragten Chemieunternehmen rechnen mit steigendem Wachstum in den kommenden fünf Jahren. 61 Prozent wollen ihre China-Investitionen in den nächsten zwei Jahren erhöhen. Deutsche Chemiekonzerne bleiben also optimistisch.

Investoren zweifeln

Doch die Skepsis wächst. Arne Rautenberg von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, bezweifelt offen, ob sich die Investition für Aktionäre auszahlt. Linus Vogel von der Deka-Sparkassenfonds bezeichnet das Projekt gar als „riskante Wette“ – zumal das China von heute ein völlig anderes sei als zum Zeitpunkt der ursprünglichen Investitionsentscheidung.

Die Parallele zu Russland liegt auf der Hand. Nach teuren Abschreibungen durch den Ukraine-Krieg macht sich BASF erneut abhängig von einer autokratischen Führung. Die geopolitischen Risiken sind erheblich: Peking macht keinen Hehl aus seinem Interesse an Taiwan – notfalls mit militärischen Mitteln. Ein Konflikt hätte verheerende wirtschaftliche Folgen, da Taiwan die Welt mit Computerchips versorgt und wichtige Handelsrouten durch die Taiwanstraße führen.

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Überkapazitäten belasten

BASF räumt selbst ein: Derzeit existieren in China Überkapazitäten bei vielen chemischen Produkten. Der Konzern setzt darauf, dass ältere Anlagen mit schlechteren Umweltstandards mittelfristig stillgelegt werden müssen. Ob diese Hoffnung aufgeht, bleibt abzuwarten.

Gleichzeitig kämpft BASF mit massiven Problemen im Heimatmarkt. Die Chemieindustrie erlebe ihre schwierigste Zeit seit 25 Jahren, konstatierte CEO Markus Kamieth kürzlich im Handelsblatt-Interview. Nachfrageschwäche, sinkende Preise und US-Zollpolitik belasten das Geschäft. Im Stammwerk Ludwigshafen wurden Anlagen stillgelegt, konzernweit laufen Sparprogramme mit Stellenabbau.

Umbau unter Druck

Kamieth treibt einen umfassenden Konzernumbau voran. Geschäftsbereiche sollen verkauft werden, die Agrarsparte 2027 an die Börse gehen. BASF will sich von einem breit aufgestellten, integrierten Chemiekonzern zu einem fokussierteren Unternehmen mit vier Kernsparten entwickeln.

In Ludwigshafen, wo mehr als 30.000 Menschen arbeiten, verzichtet der Konzern bis Ende 2028 auf betriebsbedingte Kündigungen. Gleichzeitig fließen Milliarden in den Standort.

2024 verkaufte BASF bereits Anteile an zwei Joint Ventures in China. Der Grund: Berichte über Aktivitäten bei Joint-Venture-Partnern, die nicht mit den Unternehmenswerten vereinbar seien. Die Frage nach Menschenrechten und Arbeitsstandards bleibt brisant.

Das neue Werk in Zhanjiang soll zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom versorgt werden und die CO2-Emissionen um bis zu 50 Prozent gegenüber konventionellen Standorten reduzieren. Ob diese Versprechen die Zweifel der Anleger zerstreuen können, wird sich zeigen. Die BASF-Aktie bleibt weit von ihren Höchstständen entfernt.

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Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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