Zwei Nachrichten, ein Muster: BASF trennt sich weiter von seinem Öl-Investment, während eine US-Bank dem Konzern strukturelle Nachteile im Kerngeschäft attestiert. Für Anleger ergibt sich daraus ein zwiespältiges Bild zwischen Kapitalfreisetzung und Wettbewerbssorgen.
Weiterer Rückzug aus Harbour Energy
BASF hat seinen Anteil am britischen Ölförderer Harbour Energy erneut reduziert. Rund 133 Millionen Aktien wechselten den Besitzer, umgerechnet für etwa 412 Millionen Euro. Ein Teil davon, 53 Millionen Aktien, kaufte Harbour Energy selbst im Rahmen einer Rückkauftransaktion zurück, der Rest ging an institutionelle Investoren.
Die Papiere wurden zu je 266 Pence platziert – ein Abschlag zum vorangegangenen Schlusskurs. Damit sinkt BASFs Stimmrechtsanteil an Harbour von zuvor rund 24,3 Prozent auf 16,4 Prozent. Der Konzern bleibt aber weiterhin größter Einzelaktionär des Unternehmens.
Die Beteiligung stammt aus der Übernahme der Upstream-Sparte von Wintershall Dea im Jahr 2024, als BASF einen Anteil von 46,5 Prozent erhielt. Seither baut der Chemiekonzern die Position schrittweise ab und schafft sich damit finanziellen Spielraum abseits des margenschwachen Chemiegeschäfts.
JPMorgan bleibt skeptisch
Parallel zum Harbour-Verkauf äußerte sich JPMorgan zur strukturellen Wettbewerbsposition von BASF. Die Bank beließ die Einstufung auf „Underweight“ und verwies auf protektionistischere Signale der europäischen Politik zugunsten der heimischen Chemiebranche. Aus Sicht von Analyst Chetan Udeshi profitieren davon vor allem lokaler aufgestellte Wettbewerber wie Lanxess, die einen kleineren Fußabdruck in China haben.
Global agierende Konzerne wie BASF sieht die Bank dagegen im Nachteil. Hohe Produktion und starker Absatz in China und im Rest der Welt könnten bei erschwertem Zugang zum europäischen Markt zu Überkapazitäten und Preisdruck in anderen Regionen führen. Konkrete Kursziele nannte die Analyse nicht.
Der Harbour-Verkauf bringt BASF frisches Kapital, löst aber die grundsätzliche Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des Kerngeschäfts nicht. Wie der Konzern auf den von JPMorgan skizzierten strukturellen Druck reagiert, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen aus dem Chemiegeschäft ablesen lassen.
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