Der weltgrößte Chemiekonzern steht vor einer historischen Zäsur. BASF-Chef Markus Kamieth bereitet Investoren auf eine neue Realität vor. Das Unternehmen könnte bald seine globale Spitzenposition beim Umsatz verlieren. Reine Größe gilt im Ludwigshafener Hauptquartier nicht länger als Selbstzweck.
Härtester Markt seit Jahrzehnten
Kamieth spricht von den schwierigsten Geschäftsbedingungen seit mindestens 25 Jahren. Das globale Kräftegleichgewicht der Industrie verschiebt sich spürbar. Der chinesische Rivale Sinopec rückte den BASF-Erlösen von zuletzt knapp 60 Milliarden Euro bereits gefährlich nahe.
Parallel dazu bremst die grüne Transformation. Der Umbau der europäischen Chemieindustrie ist laut dem CEO zwar technisch machbar. Wirtschaftlich rechnet er sich aber kaum. Die bittere Wahrheit: Kunden weigern sich, höhere Preise für klimaneutrale Produkte zu zahlen. Kamieth fordert von der Politik realistische Zwischenschritte statt sofortiger Komplett-Umbauten.
Rückkäufe stützen den Kurs
An der Börse hinterlässt das raue Umfeld Spuren. Die BASF-Aktie schloss am Dienstag bei 48,75 Euro. Damit verlor das Papier auf Monatssicht gut acht Prozent an Wert. Der Relative Strength Index signalisiert inzwischen eine fast überverkaufte Marktlage.
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Der Konzern stemmt sich mit eigenen Mitteln gegen die Schwäche. Ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm läuft auf Hochtouren. Bis Anfang Juni kaufte BASF bereits knapp 28 Millionen eigene Anteilscheine zurück. Der Konzern zieht diese Papiere ein und verkleinert so das Grundkapital.
Flucht nach vorn in Fernost
Das Management wählt im globalen Preiskampf einen pragmatischen Weg. Hohe Energiekosten in Deutschland und weltweite Überkapazitäten zwingen zum Handeln. Die Antwort liegt ausgerechnet im Heimatmarkt des größten Konkurrenten. Das neue Verbundwerk im chinesischen Zhanjiang bildet die zentrale Wachstumssäule für die kommenden Jahre.
Ein Rückzug aus Asien steht damit nicht zur Debatte. Stattdessen senkt BASF radikal die Fixkosten und trimmt das Kerngeschäft auf Rendite. Das bis Ende Juni laufende Rückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Euro federt den aktuellen Kursdruck vorerst ab.
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