Der Rhein wird zum Nadelöhr für BASF. Der Pegel Kaub zwischen Koblenz und Mainz ist in der Woche ab heute auf einen einstelligen Wert gefallen und damit auf einen historischen Tiefstand unter 20 Zentimetern. Frachtschiffe können ihre Ladung nicht mehr vollständig aufnehmen, die durchgängige Befahrbarkeit des Flusses ist nicht mehr gewährleistet.
Rhein droht sich in zwei Teile zu spalten
Der Bundesverband der Binnenschifffahrt warnt vor einer faktischen Zweiteilung der wichtigsten europäischen Wasserstraße. BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen zufolge könnten Nordseehäfen wie Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen bis Köln nur noch getrennt von den südlichen Streckenabschnitten mit den Nebenflüssen Neckar, Mosel, Main und dem Main-Donau-Kanal erreicht werden.
Sowohl die gewerbliche Schifffahrt als auch Ausflugs- und Kreuzfahrtschiffe wären betroffen. Nach Angaben des Verbands laufen bereits Krisensitzungen mit dem Bundesverkehrsministerium, auch Baumaßnahmen werden geprüft.
Für BASF ist die Situation besonders heikel, weil der Verbundstandort Ludwigshafen unmittelbar am Rhein liegt und traditionell auf den Fluss als Transportweg für Rohstoffe und Fertigprodukte setzt. Bleibt der Pegel so niedrig, drohen höhere Logistikkosten und Lieferverzögerungen – ein Risiko, das sich in den kommenden Wochen witterungsabhängig noch verschärfen könnte.
Klage aus Frankreich wegen PFAS-Einleitungen
Zusätzlichen Gegenwind bekommt der Konzern aus Frankreich. Die Metropolregion Rouen Normandie hat Ende Juli Klage gegen BASF eingereicht und dies Anfang August öffentlich gemacht. Hintergrund sind nach Darstellung der Kommune massive Einleitungen der PFAS-Verbindung TFA in die Seine.
PFAS-Chemikalien stehen europaweit zunehmend im Fokus von Umweltbehörden und Kommunen, die gegen Hersteller vorgehen – die Klage aus Rouen reiht sich in diesen Trend ein und dürfte BASF in Frankreich weiter unter juristischen Druck setzen.
Werksschließung in Indien
Auf der operativen Seite hat BASF India die Schließung seiner Care-Chemicals-Anlagen im indischen Dahej genehmigt. Details zu Kapazitäten oder Beschäftigtenzahlen an dem Standort liegen nicht vor, doch die Entscheidung fügt sich in ein Bild eines Konzerns, der an mehreren Fronten gleichzeitig auf Kosten- und Umweltdruck reagieren muss.
Aktie zeigt sich von den Belastungen unbeeindruckt
An der Börse spiegelt sich die Nachrichtenlage bislang kaum wider. Die BASF-Aktie notiert aktuell bei 51,65 Euro und legt am heutigen Handelstag um 0,60 Prozent zu. Damit bleibt das Papier in unmittelbarer Nähe seines jüngsten Aufwärtstrends: Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt komfortable 7,32 Prozent, was auf eine intakte mittelfristige Erholung hindeutet. Zum 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie noch 6,18 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen der eher kritischen operativen Nachrichtenlage – Logistikprobleme durch Niedrigwasser, eine neue Klage in Frankreich, eine Werksschließung in Indien – und der robusten Kursentwicklung wirft für Anleger die Frage auf, wie belastbar die aktuelle Bewertung ist.
Solange der Rhein-Pegel nicht wieder steigt, bleibt das Logistikrisiko am Heimatstandort Ludwigshafen der Faktor, der am ehesten kurzfristig auf die operative Marge durchschlagen könnte.
Die PFAS-Klage aus Rouen und die Schließung in Dahej wirken dagegen eher wie Randnotizen in einem insgesamt größeren Konzerngefüge, dürften aber mittelfristig zu den regulatorischen und strukturellen Baustellen zählen, die BASF an mehreren Standorten gleichzeitig abarbeiten muss.
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