Jetzt ist es amtlich: BASF hat bei Evonik tatsächlich angeklopft. Die RAG-Stiftung, größte Einzelaktionärin des Essener Spezialchemiekonzerns, bestätigte in einer Ad-hoc-Mitteilung am Freitagnachmittag, von BASF auf ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot angesprochen worden zu sein. Konkrete Gespräche fänden derzeit nicht statt, heißt es einschränkend.
Der Markt reagierte prompt. BASF-Aktien gaben am Nachmittag um gut 2 Prozent nach, während Evonik-Papiere um mehr als 9 Prozent zulegten. Bereits am Dienstag hatte ein Fachmedium über BASF-Interesse an Evonik berichtet, seitdem erholte sich die Evonik-Aktie kontinuierlich.
Großaktionärin RAG-Stiftung hält den Schlüssel
Die RAG-Stiftung hält rund 43,8 Prozent der Evonik-Aktien. Ihre Haltung dürfte über Erfolg oder Scheitern eines möglichen Deals entscheiden. Nach eigenen Angaben will sie eine weitere Erklärung abgeben, sobald sie es für nötig hält – konkrete Fristen nannte sie nicht.
Berichten zufolge sondiert BASF das Vorhaben bereits seit mehreren Monaten mit externen Beratern. Gespräche soll es demnach nicht nur mit Evonik selbst, sondern auch direkt mit der RAG-Stiftung gegeben haben. Ein Zusammenschluss wäre angesichts eines Evonik-Börsenwerts von mehr als 8 Milliarden Euro von erheblicher Größenordnung.
Konsolidierung in schwierigem Umfeld
Die Chemiebranche kämpft derzeit mit steigenden Energiekosten infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Ein Zukauf würde BASF helfen, seinen regionalen Fußabdruck und die Produktpalette auszubauen – auch um im Wettbewerb mit chinesischer Konkurrenz besser bestehen zu können.
Beide Unternehmen sparen bereits kräftig. BASF hat zwischen Januar 2024 und Ende Juni 2026 rund 7.000 Stellen abgebaut, vor allem am Stammsitz Ludwigshafen. Evonik plant bis Ende 2029 den Abbau von 3.200 weiteren Stellen und zieht sich zunehmend aus Massengeschäften zurück, etwa durch die geplante Trennung vom Standardchemikalien-Geschäft der Sparte Performance Materials.
Der nächste Schritt liegt nun bei der RAG-Stiftung. Ohne ihre Zustimmung dürfte ein Übernahmeangebot kaum Aussicht auf Erfolg haben – ihre für Freitagnachmittag angekündigte weitere Stellungnahme dürfte die Richtung vorgeben.
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