BASF bringt ein neues Material für die nächste Batteriegeneration — und setzt damit auf eine Technologie, die die Elektromobilität grundlegend verändern könnte. Das Timing ist bewusst gewählt.
Oppanol N PLUS: Was der neue Binder kann
Am 8. Juni 2026 stellte BASF den Hochleistungs-Binder Oppanol N PLUS vor. Das Material basiert auf Polyisobutylen und zielt direkt auf Feststoffbatterien — die als nächste große Stufe in der EV-Technologie gelten.
Binder halten die Komponenten einer Batteriezelle zusammen. Bei Feststoffbatterien ist das besonders anspruchsvoll: Beim Laden und Entladen entstehen mechanische Spannungen, die das Material aushalten muss. Oppanol N PLUS ist hochelastisch und dehnbar — es kompensiert diese Spannungen und verlängert damit die Lebensdauer der Zelle.
Der entscheidende chemische Vorteil liegt in der Struktur des Materials. Herkömmliche Binder auf PVDF-Basis reagieren mit vielen Festelektrolyten unerwünscht. Oppanol N PLUS ist nicht-polar und trägt keine funktionellen Gruppen. Es verträgt sich deshalb mit empfindlichen Festelektrolyten, ohne Nebenreaktionen auszulösen. Obendrein entfällt das toxische Lösungsmittel NMP, das bei PVDF-Bindern zwingend nötig ist.
95 Jahre Oppanol — und ein strategischer Moment
Die Markteinführung fällt auf das 95. Jubiläum der Oppanol-Produktfamilie. Die Technologie geht auf 1931 zurück, als Chemiker Michael Otto die Polymerisation von Isobuten demonstrierte. Die industrielle Fertigung startete 1938 — nach sieben Jahren Entwicklung.
Für BASF ist der Launch mehr als ein Produktjubiläum. Das Unternehmen positioniert sich als Materiallieferant für eine Batterietechnologie, die noch in der Hochlaufphase steckt. Wer früh liefert, sichert sich Entwicklungspartnerschaften mit Zellherstellern.
Rückkaufprogramm läuft aus — Halbjahreszahlen im Juli
Parallel rückt ein Kapitalmarkttermin näher. Das laufende Aktienrückkaufprogramm endet Ende Juni. BASF hatte zwischen November 2025 und Ende Juni 2026 bis zu 1,5 Milliarden Euro in eigene Aktien investiert — ein vorgezogener Teil des angekündigten Gesamtprogramms von mindestens 4 Milliarden Euro bis Ende 2028. Was danach kommt, ist offen.
Die Aktie notiert aktuell bei 49,18 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen rund neun Prozent verloren. Mit einem RSI von 40,5 bewegt sich das Papier im überverkauften Bereich — ohne dass ein klarer Kurstreiber in Sicht wäre.
Den liefert möglicherweise der Halbjahresbericht im Juli. BASF erwartet für 2026 ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro sowie einen Free Cashflow zwischen 1,5 und 2,3 Milliarden Euro. Ob das Management diese Spanne bestätigt oder anpasst, wird zeigen, wie belastbar das China-Geschäft unter den aktuellen makroökonomischen Bedingungen wirklich ist.
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