BASF stellt die Weichen für den Heimatstandort Ludwigshafen neu – mit einer Jobgarantie für Zehntausende Beschäftigte und milliardenschweren Investitionszusagen. Gleichzeitig bleibt der Druck durch hohe Kosten, schwache Nachfrage und eine anstehende Dividendenkürzung hoch. Wie passt diese Mischung aus Sicherheit und Umbau zusammen?
Jobgarantie und klare Bedingungen
Kern der neuen Standortvereinbarung „Shaping the Future for a Strong Site“ ist eine weitreichende Beschäftigungssicherung für das Stammwerk.
- Jobschutz: Keine betriebsbedingten Kündigungen in Ludwigshafen bis mindestens Ende 2028
- Betroffene Beschäftigte: Rund 33.000 Mitarbeiter
- Laufzeit: 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2028
- Verlängerungsoption: Automatische Ausdehnung bis 2030 bei Erreichen definierter Profitabilitätsziele
Damit knüpft der Konzern an die bisherige Vereinbarung an, die Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen hatte, geht aber einen Schritt weiter: Der Kündigungsschutz wird explizit an wirtschaftliche Ziele gekoppelt. Das verschafft Belegschaft und Management zugleich Planungsraum – aber eben nur, wenn der Standort wieder profitabler wird.
Betriebsratschef Sinischa Horvat spricht von einem „harten Kampf“ in den Verhandlungen, der am Ende eine langfristige Perspektive für den Standort gebracht habe. Für die Belegschaft ist das angesichts der jüngsten Verlustzahlen ein wichtiges Signal.
Milliarden für den Umbau in Ludwigshafen
Parallel zur Jobgarantie verpflichtet sich BASF zu massiven Investitionen in den größten Verbundstandort des Konzerns. Die Eckpunkte:
- Jährliche Investitionen: Rund 2 Milliarden Euro pro Jahr geplant
- Mindestinvestition: 1,5 Milliarden Euro jährlich garantiert
- Schwerpunkte: Modernisierung, Kapazitätserweiterungen, nachhaltige Transformation
- Zielbild: Ludwigshafen als führender nachhaltiger Chemiestandort Europas
Arbeitsdirektorin Katja Scharpwinkel betont, die Vereinbarung schaffe die Basis, um Strukturen anzupassen und gleichzeitig die Rückkehr zur Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Das ist nötig: Der Standort kämpft seit Jahren mit hohen Kosten und Überkapazitäten.
2024 verzeichnete das Werk Ludwigshafen einen operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro. Bis 2026 sollen dort die Kosten um gut eine Milliarde Euro sinken. Die Kombination aus Kostensenkungsprogramm und Investitionen zeigt, dass BASF den Standort nicht schrumpfen, sondern neu ausrichten will – aber deutlich effizienter.
Strategischer Umbau und China-Schwerpunkt
Der neue Standortpakt ist eingebettet in eine breitere Neuausrichtung des Konzerns unter CEO Markus Kamieth. Dazu zählen mehrere Strukturmaßnahmen:
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- Portfolio-Bereinigung: Einzelne Geschäftsbereiche sollen verkauft werden
- Börsengang Agrardivision: Geplant für 2027
- Neuer Großstandort in China: Offizielle Eröffnung im kommenden Jahr nach Investitionen von rund 8,7 Milliarden Euro
Die starke Expansion in China und der Umbau des Portfolios zeigen, dass BASF seine globale Aufstellung neu justiert. Ludwigshafen soll dabei nicht an Bedeutung verlieren, sondern wettbewerbsfähiger und nachhaltiger werden, während Wachstumsschwerpunkte verstärkt in dynamische Regionen wie Asien verlagert werden.
Finanziell sendet der Konzern dagegen gemischte Signale:
Die Dividende soll erstmals seit 2010 gekürzt werden – ein deutlicher Bruch mit der bisherigen Ausschüttungspolitik. Parallel läuft jedoch ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm. Zwischen dem 8. und 12. Dezember 2025 wurden 938.051 Aktien erworben, seit Start des Programms am 3. November 2025 summiert sich der Rückkauf bereits auf 6.481.675 Aktien. Das reduziert die Zahl der ausstehenden Aktien und kann den Gewinn je Aktie stützen, auch wenn die Dividende abgesenkt wird.
BASF Aktie: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
An der Börse spiegelt sich der Spagat zwischen Umbau, Standortgarantie und Branchenflaute bislang nur begrenzt wider. Heute schloss die Aktie bei 44,24 Euro, ein Plus von 0,48 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen liegt der Zuwachs bei rund 2,3 Prozent, seit Jahresanfang bei etwas über 4 Prozent.
Damit notiert der Titel weiter deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,98 Euro; der Abstand beträgt gut 18 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 39,76 Euro hat sich die Aktie dagegen um gut 11 Prozent nach oben abgesetzt. Technisch bewegt sie sich mit einem Kurs knapp über dem 50- und 200-Tage-Durchschnitt (43,57 bzw. 43,90 Euro) eher in einer Zone der abwartenden Haltung. Der 14-Tage-RSI von 42,3 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf.
Belastend wirkt weiterhin das Branchenumfeld: Der Chemiesektor leidet unter historisch niedriger Auslastung und schwacher Nachfrage. Viele Investoren rechnen für 2026 nicht mit einer schnellen Erholung. Die Deutsche Bank hat die Aktie zuletzt von „Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft und auf die schwierigen Rahmenbedingungen verwiesen; das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 48 Euro und damit moderat über dem aktuellen Niveau.
Fazit: Hohe Zusagen, klare Erwartungen
Mit der neuen Standortvereinbarung verbindet BASF eine weitreichende Beschäftigungssicherung mit einem ambitionierten Umbauprogramm. Ludwigshafen erhält bis mindestens 2028 – und bei Erreichen der Profitabilitätsziele bis 2030 – einen starken Schutzschirm und gleichzeitig Milliarden für Modernisierung und Transformation.
Für die Aktie bleibt entscheidend, ob es gelingt, den operativen Verlust in Ludwigshafen zu drehen, die angekündigten Kostensenkungen von gut einer Milliarde Euro bis 2026 zu realisieren und die Erträge aus der globalen Neuausrichtung – inklusive China-Standort und Agrar-IPO – sichtbar zu machen. Gelingt dieser Spagat, könnte die aktuell moderate Bewertung mit einem Kurs deutlich unter dem 52‑Wochen‑Hoch wieder Spielraum nach oben eröffnen; bleibt die Branchenschwäche dagegen länger bestehen, dürfte die Standortvereinbarung vor allem als Stabilitätsanker wirken, ohne kurzfristig zum Kurstreiber zu werden.
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