BASF meldet einen technologischen Meilenstein in China – gleichzeitig drücken skeptische Analystenkommentare auf die Stimmung. Der Konzern liefert operativ ab, doch die Einschätzung der Berenberg Bank stellt die mittelfristige Ertragskraft in Frage. Wie stark wiegt dieser Widerspruch aktuell auf der Aktie?
Strategischer Fortschritt in China
Im Fokus steht die offizielle Inbetriebnahme des Steamcrackers am neuen Verbundstandort Zhanjiang in Südchina. Der Anlagenstart erfolgte planmäßig und ist ein zentraler Baustein der langfristigen Asien-Strategie.
Wesentliche Eckpunkte des Projekts:
- Investitionsvolumen: rund 10 Milliarden Euro – größtes Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte
- Technologie: erster Steamcracker weltweit, dessen Hauptkompressoren vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden
- Rolle im Verbund: Versorgung des Standorts mit Ethylen und Propylen als Grundstoffe für nachgelagerte Produktionslinien
Mit Zhanjiang unterstreicht BASF seinen Anspruch, Wachstum in Asien mit effizienteren und klimafreundlicheren Produktionsstrukturen zu verbinden. Für den Kapitalmarkt ist vor allem relevant, ob der Standort in den kommenden Jahren die hohen Investitionskosten durch stabile Cashflows rechtfertigt.
Berenberg bleibt klar skeptisch
Auf der Bewertungsseite überlagert derzeit jedoch eine negative Analystenstudie die positiven China-Nachrichten. Die Berenberg Bank bestätigt ihre Einstufung „Sell“ und nennt ein Kursziel von 38 Euro. Damit liegt das Ziel spürbar unter aktuellen Kursniveau und auch unter konservativeren Einschätzungen anderer Häuser.
Kern der Berenberg-Argumentation ist eine zurückgenommene Erwartung an die Ertragskraft ab 2026. Ein neu eingesetztes KI-basiertes Modell der Bank signalisiert:
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei BASF?
- Das operative Ergebnis (EBITDA) 2026 könnte deutlich unter den Marktschätzungen liegen
- Die aktuellen Konsensprognosen könnten nach diesem Modell um bis zu 16 % zu hoch sein
Damit stellt Berenberg nicht nur die kurzfristige, sondern vor allem die mittelfristige Erholung des Chemiekonzerns in Frage. Im Kontrast dazu steht die Deutsche Bank, die bei einem „Hold“-Votum und einem Kursziel von 45 Euro bleibt, aber ebenfalls vor einem schwachen vierten Quartal warnt. Der Markt erhält somit ein gemischtes Bild: strategischer Fortschritt, aber anhaltender Zweifel an der Profitabilität.
Kursbild: Zwischen Druck und Stabilisierung
An der Börse spiegelt sich dieses Spannungsfeld in einer eher vorsichtigen Kursentwicklung wider. Die Aktie schloss gestern bei 44,24 Euro und liegt damit minimal unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 44,41 Euro. Auf Jahressicht ergibt sich ein moderates Plus von rund 5 %, seit Jahresbeginn steht jedoch ein leichter Rückgang von 1,21 %.
Ausgewählte Kennzahlen:
- Schlusskurs gestern: 44,24 Euro
- Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (53,98 Euro): ca. –18 %
- Abstand zum 52‑Wochen-Tief (39,76 Euro): rund +11 %
- 200‑Tage-Durchschnitt: 43,69 Euro (Aktie leicht darüber)
- RSI (14 Tage): 42,3 (keine überkaufte oder überverkaufte Zone)
Charttechnisch bewegt sich der Titel damit in einer Zone, in der weder Käufer noch Verkäufer eindeutig dominieren. Die negative Analystenstimme sorgt für Gegenwind, doch die Nähe zu den gleitenden Durchschnitten deutet gleichzeitig auf eine gewisse Stabilisierung hin. Die hohe annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 70 % unterstreicht allerdings, dass die Kurse zuletzt deutlich schwankungsanfälliger waren.
Fazit: Zwei Zeithorizonte prallen aufeinander
Unterm Strich prallen bei BASF derzeit zwei Zeithorizonte aufeinander: kurzfristig belasten Warnungen vor schwächeren Ergebnissen und ein deutlich unter dem Markt liegendes Kursziel von Berenberg die Bewertung. Langfristig sendet der planmäßige Start der Großanlage in Zhanjiang ein klares Signal, dass die Asien-Expansion operativ vorankommt und technologisch ambitioniert umgesetzt wird.
Für die weitere Kursentwicklung dürften die nächsten harten Datenpunkte entscheidend sein: zum einen die tatsächliche Ergebnisdynamik im laufenden und im Jahr 2026 im Licht der KI-basierten Modellannahmen, zum anderen der finanzielle Beitrag des neuen China-Standorts. Erst wenn klarer wird, in welchem Tempo Zhanjiang zu Umsatz und Marge beiträgt, lässt sich die Lücke zwischen den aktuellen Analystenprognosen und der strategischen Story glaubhaft schließen.
BASF-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BASF-Analyse vom 9. Januar liefert die Antwort:
Die neusten BASF-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BASF-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BASF: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
