Die Bank of Japan hat ihren Leitzins am Freitag auf den höchsten Stand seit 1995 angehoben. Dennoch geriet die japanische Währung unmittelbar nach dem Zinsentscheid unter Verkaufsdruck. Der Grund dafür liegt im geldpolitischen Signal: Die Erhöhung um einen Viertelpunkt war an den Märkten bereits eingepreist, während zwei Gegenstimmen im Notenbankrat und vorsichtige Töne zur künftigen Zinswende die Anleger enttäuschten.
Der geldpolitische Ausschuss unter Führung von Gouverneur Kazuo Ueda entschied mit 7 zu 2 Stimmen, den Leitzins von 1,00 Prozent auf 1,25 Prozent anzuheben. Es ist der höchste Zinsstand seit 31 Jahren, nachdem die Währungshüter bereits im Juni an den Zinsschrauben gedreht hatten. Die Ratsmitglieder Asada Toichiro und Sato Ayano stimmten gegen den Beschluss und plädierten für mehr Geduld bei weiteren Straffungen.
Gedämpfte Zinserwartungen belasten die Währung
Statt den Yen zu stärken, löste die Entscheidung Kursverluste auf breiter Front aus. Im asiatischen Handel gab die japanische Devise gegenüber dem US-Dollar auf ein Mehrwochentief von 157,27 Yen nach. Auch gegenüber dem Euro schwächte sich der Yen deutlich auf 180,65 ab.
Hinter der Schwäche steht vor allem die Ungewissheit über das weitere Straffungstempo. Kazuo Ueda betonte nach der Sitzung, die Notenbank verfolge keinen festen Zeitplan wie etwa Zinsschritte im Dreimonatsrhythmus. Zudem sei das neutrale Zinsniveau, bei dem die Wirtschaft weder gebremst noch stimuliert wird, derzeit schwer exakt zu bestimmen. Die Phase der Geldpolitik habe sich zwar gewandelt, man werde jedoch von Sitzung zu Sitzung entscheiden.
Nachlassender Preisdruck nimmt Tempo aus der Zinswende
Rückenwind für eine abwartende Haltung liefern die jüngsten Teuerungsdaten aus Tokio. Die japanische Verbraucherpreisinflation verlangsamte sich im August im Jahresvergleich leicht auf 1,7 Prozent, nach 1,8 Prozent im Juli. Die Gesamtrate legte um 1,9 Prozent zu. Beide Werte blieben damit unter dem offiziellen Stabilitätsziel von 2 Prozent.
Die Notenbank rechnet zwar damit, dass die Inflation ab der zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2026 wieder deutlicher über die Marke von 2 Prozent anzieht. Vorerst nehmen die abgekühlten Verbraucherpreise jedoch den Druck, die Kreditkosten rasch weiter nach oben zu schrauben. An den Finanzmärkten in Tokio herrscht nach dem Zinsentscheid ohnehin erst einmal Ruhe: Wegen Feiertagen bleiben die japanischen Börsen bis einschließlich Mittwoch geschlossen.
