Die Bank of England hält ihren Leitzins bei 3,75 Prozent, bereitet die Finanzmärkte aber auf baldige Erhöhungen vor. Auslöser für den Kurswechsel sind steigende Energiekosten infolge des Konflikts im Nahen Osten, die den Inflationsdruck wieder anheizen. Überraschend pausiert die Notenbank für sechs Monate den aktiven Verkauf britischer Staatsanleihen.
Der geldpolitische Ausschuss stimmte mit sechs zu drei Stimmen für die Beibehaltung des Zinsniveaus. Drei Mitglieder votierten erneut für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Allerdings signalisierten nun auch Gouverneur Andrew Bailey und seine Stellvertreter, dass sie künftigen Zinsschritten zustimmen könnten.
Inflationsprognose deutlich angehoben
Hinter dem veränderten Ton steht eine spürbare Verschlechterung der Preisaussichten. Die Notenbank rechnet damit, dass die Inflation Anfang nächsten Jahres über vier Prozent steigen wird. Bisher war sie von einem Höchstwert von 3,2 Prozent ausgegangen. Im August lag die Teuerungsrate bei 3,1 Prozent, während die Kerninflation bei 2,6 Prozent verharrte.
Sollten die hohen Energiepreise länger anhalten, steige das Risiko von Zweitrundeneffekten bei Löhnen und Preisen. Vor diesem Hintergrund werten Volkswirte eine Zinsanhebung im November als zunehmend wahrscheinlich. Notenbankchef Bailey betonte, je länger der Preisdruck anhalte, desto unausweichlicher werde ein Eingreifen.
Kurswechsel beim Anleiheabbau
Parallel zur Zinsentscheidung ordnet die Notenbank den Abbau ihrer Wertpapierbestände neu. Die aktiven Verkäufe von Staatsanleihen ruhen für das nächste halbe Jahr vollständig. Der Verkauf langlaufender Papiere wird sogar ganz gestoppt.
Von den verbleibenden 488 Milliarden Pfund an Staatsanleihen sollen Papiere im Volumen von 120 Milliarden Pfund dauerhaft zur Deckung des Banknotenumlaufs gehalten werden. Bestände im Wert von 222 Milliarden Pfund mit Fälligkeit bis 2034 lässt die Notenbank bis zum Laufzeitende auslaufen.
An den Finanzmärkten sorgten die Beschlüsse für Bewegung. Das britische Pfund gab gegenüber dem US-Dollar um rund einen halben Cent nach. Dagegen legten die Notierungen britischer Staatsanleihen spürbar zu, was die Renditen der 30-jährigen Papiere auf ein Dreiwochentief drückte. Die nächste Zinsentscheidung steht im November an.
