Die Bank of England vollzieht die geldpolitische Wende: Erstmals seit August 2023 steigt der britische Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,00 Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, dessen Folgen die Energiekosten antreiben. Notenbankchef Andrew Bailey stellte umgehend klar, dass dieser Zinsschritt kaum der letzte gewesen sein dürfte, solange die Spannungen anhalten.
Die Reaktion an den Märkten folgte prompt. Das britische Pfund legte gegenüber dem US-Dollar leicht zu. Parallel dazu stiegen die Renditen zweijähriger britischer Staatsanleihen, da Anleger bereits über eine weitere Straffung bei der Dezembersitzung spekulieren.
Ein geteiltes Komitee fordert mehr Härte
Im geldpolitischen Ausschuss fiel das Votum mit 8 zu 1 Stimmen deutlich aus. Die einzige Gegenstimme forderte jedoch keine Zinspause. Ratsmitglied Catherine Mann plädierte stattdessen für eine Erhöhung um 50 Basispunkte auf 4,25 Prozent, um einen Vertrauensverlust bei der Inflationsbekämpfung abzuwenden.
Bislang hielten sich die britischen Währungshüter mit Zinsanhebungen zurück, während die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank längst aktiv geworden waren. Nun verweist die Führung der Bank of England darauf, dass sich der Preisdruck über die verzögerte Weitergabe von Großhandelspreisen unweigerlich in den Haushalten festsetzen wird.
Hohe Inflation bremst die Reallöhne
Zwar hob die Notenbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 1,6 Prozent an. Trotz dieses soliden Wachstums drohen den britischen Arbeitnehmern jedoch Einbußen. Nach Abzug von Steuern und Teuerung dürften die realen Einkommen der privaten Haushalte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr sinken.
Entwarnung an der Preisfront ist nicht in Sicht. Die Teuerung dürfte im zweiten Quartal 2027 bei 4,8 Prozent ihren Höchststand erreichen. Eine Rückkehr zum offiziellen Zielwert von 2 Prozent erwartet die Notenbank im Basisszenario erst für das dritte Quartal 2028.
