Die Bank of England vollzieht die Zinswende. Am Donnerstag hob die Notenbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent an. Es ist der erste Zinsschritt nach oben seit über drei Jahren. Die Währungshüter reagieren damit auf den anhaltenden Preisdruck bei Energie, signalisieren den Finanzmärkten aber zugleich Zurückhaltung für die kommenden Monate.
Die Entscheidung im neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss fiel mit acht zu eins Stimmen deutlich aus. Lediglich Ratsmitglied Catherine Mann forderte eine stärkere Anhebung um 50 Basispunkte auf 4,25 Prozent. Zuvor hatte der Leitzins seit Dezember bei 3,75 Prozent gelegen.
Furcht vor Zweitrundeneffekten
Ausschlaggebend für die Straffung sind die anhaltend hohen Preise für Öl und Gas im Zuge des Nahost-Konflikts. Zwar fangen viele Unternehmen die gestiegenen Energiekosten bislang über geringere Gewinnmargen auf. Hält der Kostendruck jedoch an, drohen spürbare Übertragungen auf Verbraucherpreise und Löhne, insbesondere mit Blick auf die anstehende Tarifrunde im kommenden Jahr.
Die Teuerung im Vereinigten Königreich liegt derzeit bei 3,5 Prozent. Nach neuen Projektionen der Notenbank könnte die Inflationsrate im zweiten Quartal 2027 einen Höchststand von 4,9 Prozent erreichen. Eine nachhaltige Rückkehr zum Zielwert von 2 Prozent erwarten die Währungshüter erst im dritten Quartal 2028.
Notenbank dämpft Markterwartungen
Trotz der Zinserhöhung trat Notenbankgouverneur Andrew Bailey überzogenen Erwartungen an einen langen Straffungszyklus entgegen. Der Schritt sei nicht als Beginn einer endlosen Serie zu verstehen, stellte Bailey klar. Gleichwohl bleibe eine weitere Straffung wahrscheinlich, solange der Konflikt im Nahen Osten ungelöst ist. An den Märkten herrschte vor der Entscheidung die Erwartung, die Zinsen könnten bis Ende kommenden Jahres auf bis zu 5,00 Prozent klettern. Diesen Spekulationen nahm die Notenbank nun den Wind aus den Segeln.
Die Londoner Börse reagierte erleichtert auf die gemäßigten Töne. Der Leitindex FTSE 100 legte am Donnerstagmittag um 0,73 Prozent auf 10.908,44 Punkte zu. Vor allem Bergbauwerte und Telekommunikationstitel stützten den Markt nach Vorlage frischer Quartalszahlen.
Gleichzeitig hob die Zentralbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 1,1 Prozent auf 1,6 Prozent an. Für 2027 rechnet sie mit einem Plus von 1,3 Prozent. Der weitere Zinspfad bleibt dennoch eng an die Rohstoffmärkte gekoppelt: Eine diplomatische Beilegung des Nahost-Konflikts vor Jahresende würde die Energiepreise rasch drücken und den Druck für zusätzliche Zinsschritte im Frühjahr 2027 verringern.
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