Der Verwaltungsrat der Banca Monte Dei Paschi Siena (MPS) hat die Übernahmeofferte von Intesa Sanpaolo über 30,6 Milliarden Euro offiziell als unzureichend zurückgewiesen. Das Gremium kritisierte die Bewertung und die veranschlagten Synergieeffekte des Angebots deutlich. Stattdessen signalisierte die Führung der ältesten Bank der Welt eine deutliche Präferenz für Gespräche mit Banco BPM über eine mögliche Fusion unter Gleichen.
Kritik an Bewertung und Synergieeffekten
Nach Berichten von Startmag stufte das MPS-Board den von Intesa Sanpaolo angebotenen Aufschlag von 12,5 % gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten 30 Tage als zu gering ein. Branchenüblich seien bei vergleichbaren Transaktionen Prämien von rund 30 %. Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt in der Verteilung der Kapitalanteile: Während MPS etwa 34 % des materiellen Nettovermögens in eine fusionierte Gruppe einbringen würde, erhielten die MPS-Aktionäre laut den vorliegenden Plänen nur 22 % der Anteile am neuen Konzern.
Zudem äußerte der Verwaltungsrat erhebliche Zweifel an den von Intesa Sanpaolo prognostizierten Synergien in Höhe von 2,9 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Schätzungen wurden als überzogen bewertet, da sie signifikant über historischen Durchschnittswerten für Umsatz- und Kosteneinsparungen bei Bankenfusionen liegen. Das Angebot von Intesa sah vor, 1,6 eigene Aktien sowie eine Barzahlung von einem Euro pro MPS-Aktie zu leisten.
Fokus auf Banco BPM und Crédit Agricole
Parallel zur Ablehnung des Intesa-Gebots rückt ein Gegenvorschlag von Banco BPM in den Fokus, der bereits Anfang Juni eingereicht wurde. Diese Offerte sieht eine paritätische Fusion vor, welche die Eigenständigkeit und Integrität von MPS stärker wahren soll. In diesem Szenario könnten laut FinanzaOnline auch weitere Großaktionäre wie Crédit Agricole, die bereits knapp 30 % an Banco BPM halten, sowie die Investorengruppen Delfin und Caltagirone eine Rolle spielen. Delfin hält derzeit 17,5 % an MPS, während Francesco Gaetano Caltagirone mit 13 % beteiligt ist.
Der aktuelle Kurs der MPS-Aktie spiegelt die Dynamik im italienischen Bankensektor wider und notiert bei 11,20 €. Damit liegt das Papier rund 4,27 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 11,70 €, das erst Anfang Juli erreicht wurde. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Titel einen Wertzuwachs von 22,50 %.
Ausstieg des Staates und operative Stärke
Flankiert wird das Übernahmegeschehen durch den geplanten vollständigen Rückzug des italienischen Finanzministeriums. Finanzminister Giancarlo Giorgetti bezeichnete die Privatisierung als im „letzten Kilometer“ befindlich. Das Ministerium bereitet den Verkauf der verbleibenden Beteiligung von rund 4,9 % vor, was einem Marktwert von etwa 1,7 Milliarden Euro entspricht.
Trotz der Unruhe um die künftige Eigentümerstruktur bescheinigen Experten der Bank eine gute operative Entwicklung. Die Analysten von Barclays hoben das Kursziel für MPS von 9,20 Euro auf 10,30 Euro an und erwarten für das zweite Quartal 2026 die branchenweit besten Trends bei den Nettozinserträgen und Provisionsüberschüssen. Auch Jefferies prognostiziert solide Quartalszahlen für den italienischen Bankensektor mit steigenden Zinserträgen bei gleichzeitig kontrollierten Kosten.
Unterdessen regt sich auf regionaler Ebene Widerstand gegen einen Kontrollverlust. Der Provinzialrat von Siena verabschiedete am 20. Juli einstimmig eine Resolution, die den Erhalt des Hauptsitzes, der Direktionsfunktionen sowie der historischen Marke MPS fordert. Ein permanenter institutioneller Tisch mit der Regierung soll sicherstellen, dass Siena nicht zur Peripherie für Entscheidungen herabgestuft wird, die andernorts getroffen werden.
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