Die hartnäckige Teuerung zwingt die Reserve Bank of Australia zu weiteren Schritten, obwohl der heimische Immobilienmarkt spürbar unter Druck gerät. Die Notenbank dürfte ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent anheben. Damit würde der Leitsatz den höchsten Stand seit 18 Jahren erreichen.
Hohe Energiepreise, internationale Konflikte und knappe inländische Kapazitäten halten den Preisauftrieb im Land hoch. Der Verbraucherpreisindex legte im September stärker zu als prognostiziert. Vor allem die Kerninflation verharrt deutlich über der Zielmarke der Währungshüter von 2,0 Prozent. Es wäre bereits die fünfte Zinserhöhung der Notenbank in diesem Jahr.
Immobilienpreise geben historisch schnell nach
Die straffere Geldpolitik hinterlässt deutliche Spuren am Häusermarkt. Landesweit sanken die Immobilienpreise im Oktober um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Es war der siebte monatliche Rückgang in Folge.
In den großen Metropolen fielen die Werte binnen sieben Monaten um 8,1 Prozent. Das markiert das schnellste Tempo seit 40 Jahren. In Sydney gaben die Preise im Oktober um 1,6 Prozent nach, während das Transaktionsvolumen im Jahresvergleich um fast ein Drittel einbrach. Käufer halten sich wegen der gestiegenen Finanzierungskosten zurück.
Die Währungshüter stufen die Korrektur zwar als Abwärtsrisiko für die Konjunktur ein, sehen die Finanzstabilität vorerst aber nicht gefährdet. Ein Großteil der Hypothekennehmer verfüge über ausreichend Puffer, selbst wenn die Immobilienpreise um insgesamt 20 Prozent nachgeben sollten.
Zinserwartungen stützen den australischen Dollar
An den Terminmärkten wird der nächste Zinsschritt nahezu vollständig eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit dafür taxieren Marktteilnehmer auf 78 bis 90 Prozent. Einzelne Ökonomen halten sogar ein weiteres Anziehen der Zügel auf 5,10 Prozent in den kommenden Monaten für möglich.
Am Devisenmarkt sorgte der geldpolitische Kurs zuletzt für Auftrieb. Der australische Dollar gewann im Jahresverlauf gegenüber dem US-Dollar 5,4 Prozent an Wert. An den Aktienmärkten zeichnet sich derweil ein geteiltes Bild ab. Während höhere Finanzierungskosten die Liquidität für den breiten Aktienmarkt dämpfen, profitieren Institute aus dem Banken- und Vermögensverwaltungssektor von der Zinsmarge.
