Ein Übernahmeangebot von Eli Lilly treibt die Aktie von Atai Beckley auf Mehrjahreshochs. Trotzdem stufen mehrere Analysten das Papier gerade herab. Der Grund: Der Deal begrenzt das weitere Kurspotenzial, und die Investmentstory dreht sich jetzt nicht mehr um klinische Erfolge, sondern um die Frage, ob die Übernahme überhaupt durchgeht.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 6,20 Euro. Das liegt 32,48 Prozent über dem Niveau vor sieben Tagen und satte 75,14 Prozent über dem Stand vor einem Monat. Der jüngste Handelstag brachte zwar ein leichtes Minus von 0,80 Prozent, am grundsätzlichen Bild ändert das aber nichts.
Warum Analysten trotz Kursrally bremsen
H.C. Wainwright und Berenberg gehörten zu den Häusern, die ihre Einstufungen nach der Ankündigung der Übernahme senkten. Mehrere weitere Analysten strichen ihre Kursziele oder nahmen sie ganz zurück. Die Begründung ist überall ähnlich: Der vereinbarte Übernahmepreis deckelt das Aufwärtspotenzial der Aktie.
Damit verschiebt sich der Blickwinkel der Investoren komplett. Bislang zählte, wie gut die klinischen Studien von Atai Beckley liefen. Jetzt zählt vor allem, wie wahrscheinlich es ist, dass der Deal tatsächlich abgeschlossen wird.
Die Deal-Struktur im Detail
Eli Lilly zahlt für jede Aktie von Atai Beckley 6,75 Dollar in bar. Hinzu kommt ein sogenanntes Contingent Value Right (CVR) im Wert von bis zu 2,50 Dollar je Aktie. Dieses Recht zahlt zusätzliches Geld aus, wenn bestimmte Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine für die Wirkstoffprogramme BPL-003 und VLS-01 erreicht werden.
Die Barkomponente entspricht einem Unternehmenswert von rund 2,8 Milliarden Dollar. Das CVR-Paket kommt theoretisch auf weitere 1 Milliarde Dollar. Der Markt bewertet dieses CVR aktuell aber deutlich unter seinem theoretischen Maximalwert.
Das hat einen klaren Grund: Das CVR wird nicht an der Börse gehandelt und lässt sich kaum übertragen. Anleger tragen zudem vier bis sieben Jahre lang das volle klinische und regulatorische Risiko – mit der Möglichkeit, am Ende komplett leer auszugehen. Für den Abschluss der Übernahme gilt zunächst eine Frist von sechs Monaten, die sich bei regulatorischen Verzögerungen auf neun Monate verlängern kann.
Zustimmung längst nicht gesichert
Große Aktionäre haben sich bereits festgelegt. Apeiron und Angermayer unterzeichneten Stimmrechtsvereinbarungen, mit denen sie ihre Anteile für den Deal einbringen und nicht verkaufen dürfen. Zum 22. Juni 2026 hielten diese Parteien zusammen 56,8 Millionen Aktien – das entspricht 15,4 Prozent der Stimmrechte.
Das klingt nach solidem Rückhalt, reicht aber nicht aus. Für die Genehmigung braucht der Deal die Mehrheit aller ausstehenden Aktien, nicht nur der abgegebenen Stimmen. Die bereits gesicherten 15 Prozent schließen ein Scheitern der Abstimmung also keineswegs aus.
Hinzu kommt: Neben der Aktionärszustimmung muss auch die Kartellbehörde grünes Licht geben. Beide Hürden stecken im aktuellen Aktienkurs bereits als Risiko mit drin.
Ausblick: Der Kurs folgt jetzt dem Deal, nicht der Forschung
Mit der Übernahmeprämie weitgehend im Kurs eingepreist, hängt die weitere Entwicklung der Aktie kaum noch von neuen Studiendaten zu BPL-003 ab. Entscheidend werden stattdessen der definitive Abstimmungsprospekt, der Termin der Aktionärsversammlung und der Fortschritt bei der Kartellprüfung. Diese drei Ereignisse dürften in den kommenden Wochen die eigentlichen Kurstreiber sein.
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