Ein gestoppter Lungenkrebs-Studie, und die Aktie steigt trotzdem. Das klingt paradox, ergibt aber Sinn, wenn man auf den Rest der Pipeline schaut, die am selben Tag mit einem handfesten Erfolg aufwartet.
Astrazeneca hat die Phase-3-Studie eVolve-Lung02 zu Volrustomig eingestellt. Ein unabhängiger Datenüberwachungsausschuss kam nach turnusmäßiger Prüfung zum Schluss, dass die Kombination aus Volrustomig und Chemotherapie im Vergleich zu Pembrolizumab plus Chemotherapie voraussichtlich keinen der beiden primären Endpunkte erreichen würde — weder beim progressionsfreien Überleben noch beim Gesamtüberleben. Neue Sicherheitssignale gab es laut Unternehmen nicht, betroffen waren 895 eingeschlossene Patienten.
Forschungschefin Susan Galbraith räumte Enttäuschung ein, betonte aber, man werde aus der Studie lernen und die Pipeline weiter vorantreiben. Die übrigen Phase-3-Studien zu Volrustomig — bei Gebärmutterhalskrebs, Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich und Mesotheliom — laufen unverändert weiter.
SAFFRON liefert den Gegenpol
Während Volrustomig scheitert, punktet ein anderes Kombinationspräparat. Die Phase-3-Studie SAFFRON zeigt für Tagrisso plus Orpathys statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserungen bei EGFR-mutiertem Lungenkrebs mit MET-Treiber, nachdem Patienten unter Tagrisso-Monotherapie fortschritten. Sowohl beim progressionsfreien als auch beim Gesamtüberleben schnitt die Kombination besser ab als eine platinbasierte Doppel-Chemotherapie.
Astrazeneca hebt hervor, dass SAFFRON die erste globale Phase-3-Studie ist, die in diesem Setting signifikante Vorteile bei beiden Endpunkten nachweist. Orpathys wird gemeinsam mit dem chinesischen Partner Hutchmed entwickelt und von Astrazeneca vermarktet.
Die Kombination ist in China bereits zugelassen, in der Schweiz gibt es eine befristete Zulassung. Tagrisso selbst läuft als Monotherapie in mehr als 120 Ländern, darunter die USA, die EU, China und Japan.
Die Daten sollen auf einem kommenden Fachkongress vorgestellt und den globalen Zulassungsbehörden übermittelt werden.
Markt gewichtet den Erfolg höher
Im Londoner Handel notierte die Aktie zeitweise rund 1,8 Prozent fester bei 116,62 Pfund. Der Ausschlag zeigt, wie der Markt die beiden Nachrichten gegeneinander abwägt: Ein einzelnes gescheitertes Kombinationspräparat in einer breiten Onkologie-Pipeline wiegt offenbar weniger schwer als ein handfester Fortschritt in einem kommerziell etablierten Segment wie der Tagrisso-Franchise.
Für die Onkologie-Sparte bleibt damit ein gemischtes, aber insgesamt konstruktives Bild. Die nächste Bewährungsprobe kommt mit der für den Fachkongress angekündigten SAFFRON-Präsentation und der Reaktion der Zulassungsbehörden auf die eingereichten Daten.
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