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ASML und Aixtron im Rückwärtsgang — Applied Digital, Ondas und Strategy schreiben eigene Regeln

Fünf Tech-Werte, fünf Geschichten, eine Gemeinsamkeit: Der Freitag war rot. Applied Digital feiert Goldman-Sachs-Deals und Allzeithochs, Ondas Holdings vermeldet einen Umsatzsprung um mehr als 1.000 Prozent, und Strategy verabschiedet sich leise von seinem Bitcoin-Dogma. Gleichzeitig drücken US-Exportkontrollen auf ASML, während Aixtron trotz schwacher Quartalszahlen weit über den Kurszielen der Analysten notiert. Ein Sektor im Spagat zwischen KI-Euphorie und geopolitischer Realität.

ASML: Rekordzahlen treffen auf Washington

ASML lieferte im ersten Quartal 2026 beeindruckende Zahlen. Der Umsatz lag bei 8,8 Milliarden Euro, die Bruttomarge bei 53 Prozent, der Gewinn pro Aktie bei 7,15 Euro — deutlich über dem Konsens von 6,00 Euro. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben, weil TSMC, Samsung und Intel ihre Fab-Ausbauten beschleunigen.

Die Kehrseite: Der sogenannte MATCH Act, ein parteiübergreifender Gesetzentwurf im US-Kongress, zielt darauf ab, China den Zugang zu sämtlichen Lithografie-Maschinen zu kappen — auch zu den älteren DUV-Systemen, die bisher noch exportiert werden durften. Der China-Anteil an ASMLs Systemumsatz ist bereits von 36 Prozent im vierten Quartal 2025 auf 19 Prozent im ersten Quartal gefallen.

JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande schätzt, dass der Gewinn pro Aktie bei Inkrafttreten um bis zu zehn Prozent sinken könnte. ODDO-BHF-Analyst Stephane Houri betonte, das Gesetz sei noch in einem frühen Stadium und müsse den gesamten legislativen Prozess durchlaufen. Bernstein, Berenberg und Goldman Sachs halten an ihren Kaufempfehlungen fest.

Am Freitag schloss die Aktie bei 1.295,20 Euro — ein Minus von gut fünf Prozent und knapp unter dem erst Anfang der Woche markierten 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 31 Prozent.

Ondas Holdings: Vom Penny Stock zum Verteidigungstech-Liebling

Der dramatischste Ergebnissprung in dieser Berichtssaison kommt aus einem Unternehmen, das vor zwölf Monaten bei unter einem Euro notierte. Ondas Holdings meldete für das erste Quartal 50,1 Millionen Dollar Umsatz — gegenüber 4,3 Millionen im Vorjahr. Das entspricht einem Wachstum von 1.065 Prozent. Der Bruttogewinn lag bei 24,7 Millionen Dollar mit einer Marge von 49 Prozent.

Die Jahresprognose wurde auf mindestens 390 Millionen Dollar angehoben. Der pro-forma Auftragsbestand explodierte auf 457 Millionen Dollar, angetrieben durch die Akquisitionen von Mistral und World View Enterprises im April. Die bereinigte EBITDA-Profitabilität im Segment OAS erwartet das Management nun bereits für das erste Quartal 2027 — zwei Quartale früher als zuvor geplant.

Die Risiken sind allerdings beträchtlich:

  • Rund 230 Millionen Dollar der Jahresprognose stammen aus Übernahmen, nicht aus organischem Wachstum
  • Die Aktienanzahl stieg innerhalb eines Quartals von 380,8 auf 469,1 Millionen Stück
  • Eine Warrant-Verbindlichkeit von 1,1 Milliarden Dollar sorgt für erhebliche Mark-to-Market-Volatilität
  • Unternehmensweite Profitabilität wird erst für Anfang 2028 erwartet

Der Kurs reagierte am Mittwoch vorbörslich mit fast 13 Prozent Plus, gab am Freitag aber wieder 7,55 Prozent ab und schloss bei 9,06 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 122 Prozent spricht für sich.

Aixtron: Kurs überholt die eigenen Analysten

Aixtron präsentiert sich als paradoxer Fall. Die Quartalszahlen waren schwach: 59,4 Millionen Euro Umsatz (minus 47 Prozent), eine Bruttomarge von nur 18 Prozent und ein negatives EBIT von 22 Millionen Euro. Die Aktie notiert trotzdem bei 52,00 Euro — weit über dem durchschnittlichen Analystenkursziel von 41,70 Euro.

Der Grund liegt im Auftragsbestand. Dieser ist auf 359,1 Millionen Euro angeschwollen, getrieben von einer Nachfrageverschiebung hin zu Optoelektronik-Equipment. Dieser Bereich macht inzwischen mehr als die Hälfte der Produktumsätze aus, vor einem Jahr waren es noch zehn Prozent. Die Jahresprognose wurde im April auf 560 Millionen Euro (±30 Millionen) angehoben.

Die Analysten sind gespalten. JPMorgans Craig McDowell hält an seiner Übergewichtung mit Kursziel 54,50 Euro fest und hob seine EBIT-Schätzungen um bis zu 30 Prozent an. Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung mit Ziel 55,30 Euro. Berenberg hingegen stufte Anfang Mai auf Halten herab — bei einem Kursziel von 42 Euro sei das aktuelle Niveau zu optimistisch für die kurzfristigen Ertragsperspektiven.

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Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie mit einem Plus von gut 165 Prozent fast verdreifacht. Am 14. Mai ging sie ex-Dividende mit 0,15 Euro je Aktie. Mit einer Wandelanleihe über 450 Millionen Euro zu null Prozent Kupon hat sich das Unternehmen zudem finanziellen Spielraum für Wachstum oder Übernahmen gesichert.

Applied Digital: Allzeithoch dank KI-Rechenzentren

Während ASML mit geopolitischen Risiken kämpft, profitiert Applied Digital von der Binnennachfrage nach KI-Infrastruktur. Die Aktie erreichte vergangene Woche ein Allzeithoch bei 46,68 Dollar — ein Anstieg von über 720 Prozent in zwölf Monaten.

Der jüngste Katalysator: eine von Goldman Sachs geführte Brückenfinanzierung über 300 Millionen Dollar für den Bau des dritten KI-Rechenzentrums auf dem Polaris-Forge-1-Campus in North Dakota. Das Darlehen läuft 364 Tage zu SOFR plus 275 Basispunkte. Zusätzlich schloss das Unternehmen eine Anleiheemission über 2,15 Milliarden Dollar für den zweiten Campus ab und sicherte sich einen Mietvertrag über rund 7,5 Milliarden Dollar mit einem US-Hyperscaler für 300 Megawatt Kapazität über etwa 15 Jahre.

Die operativen Zahlen untermauern die Bewertung: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz um 139 Prozent auf 126,6 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 44,1 Millionen Dollar. Parallel wurde das Cloud-Geschäft an ChronoScale Corporation ausgegliedert — ein klares Signal, dass sich Applied Digital vollständig auf den Betrieb von KI-Rechenzentren konzentriert.

Needham erhöhte das Kursziel auf 51 Dollar, das durchschnittliche Analystenziel liegt bei 52,80 Dollar. Weitere Finanzierungsrunden für den Abschluss der Bauvorhaben in North Dakota stehen noch an.

Strategy: Das Ende des „Niemals verkaufen“

Die vielleicht bemerkenswerteste Wende vollzog Strategy auf seinem Q1-Call. CEO Phong Le erklärte, das Unternehmen werde Bitcoin verkaufen, wenn es vorteilhaft sei. Das ist ein fundamentaler Bruch mit der bisherigen Doktrin des bedingungslosen Hortens.

Die Zahlen dahinter: Strategy hielt am Quartalsende 818.334 Bitcoin — 22 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Der Umsatz stieg um knapp zwölf Prozent auf 124,3 Millionen Dollar, doch der operative Verlust weitete sich auf 14,47 Milliarden Dollar aus, fast ausschließlich getrieben durch unrealisierte Verluste auf digitale Vermögenswerte. In der Woche vom 4. bis 10. Mai verkaufte das Unternehmen Aktien im Wert von 42,9 Millionen Dollar und kaufte dafür 535 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 80.340 Dollar.

Strategy wandelt sich — weg von der reinen Akkumulationsmaschine, hin zu einer BTC-besicherten Finanzplattform, die unterschiedliche Rendite-, Volatilitäts- und Kreditprodukte für verschiedene Kapitalpools entwickelt. Die Vorzugsaktie STRC erreichte am Donnerstag ein Rekordhandelsvolumen von 1,53 Milliarden Dollar.

Am Freitag schloss die Aktie bei 152,84 Euro, ein Minus von 6,38 Prozent. Der Analystenkonsens von 14 Häusern steht auf „Strong Buy“ mit einem durchschnittlichen Zwölfmonatsziel von 347,54 Dollar. Clear Street hob sein Ziel auf 240 Dollar an.

KI-Infrastruktur gegen Geopolitik — der Sektor bleibt zweigeteilt

Die fünf Werte bilden drei Archetypen ab. Applied Digital und ASML stehen an entgegengesetzten Enden des geopolitischen Risikospektrums: Der eine profitiert von praktisch unbegrenzter Inlandsnachfrage, der andere ringt mit den legislativen Ambitionen Washingtons. Ondas und Aixtron pivotieren ihre Geschäftsmodelle in Richtung KI-naher Nachfrage — Ondas über autonome Verteidigungssysteme, Aixtron über Optoelektronik für Rechenzentrumsverbindungen. Strategy bildet eine eigene Kategorie als gehebeltes Bitcoin-Vehikel.

Die Bewertungsschere klafft weit auseinander. Aixtron handelt mit einem nachlaufenden KGV von etwa 97, deutlich über dem Analystenkonsens. Applied Digital weist trotz negativem KGV eine Marktkapitalisierung von über zwölf Milliarden Dollar auf. Strategys Bewertung ist im Kern eine Funktion des Bitcoin-Preises, multipliziert mit dem Nettovermögenswert-Aufschlag.

In den nächsten 60 Tagen stehen mehrere Weichenstellungen an. Für ASML entscheidet der Fortgang des MATCH Act im US-Senat, ob der China-Gegenwind sich verstärkt. Bei Ondas rückt die Integration der zahlreichen Akquisitionen in den Fokus. Aixtrons nächster großer Termin ist der 30. Juli mit den Q2-Zahlen — das Management erwartet eine Umsatzverdopplung auf rund 110 Millionen Euro, weil die großen Systemauslieferungen beginnen sollen. Applied Digital muss weitere Finanzierungen sichern, um die Bauvorhaben abzuschließen. Und bei Strategy wird sich zeigen, ob die Abkehr vom „Niemals verkaufen“ die Anlegerbasis verbreitert oder verunsichert.

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Diskussion zu Asml

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.