China schlägt zurück. Und ASML gehört zu den Firmen, die den Preis dafür an der Börse zahlen — obwohl das Unternehmen operativ so stark dasteht wie selten zuvor.
Die Aktie des niederländischen Lithografie-Spezialisten verlor am Freitag 2,31 Prozent und schloss bei 1.545,60 Euro. Auslöser war keine schlechte Nachricht aus dem eigenen Haus. Peking hat 14 EU-Firmen auf seine Exportkontrollliste gesetzt.
Peking antwortet auf EU-Sanktionen
Das chinesische Handelsministerium reagierte damit direkt auf frühere EU-Sanktionen gegen Firmen in China und Hongkong. Die neuen Beschränkungen gelten mit sofortiger Wirkung. Betroffen sind vor allem Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen.
Für die Chip-Industrie ist das trotzdem ein Warnsignal. Branchenbeobachter sehen in solchen Tit-for-Tat-Maßnahmen ein wachsendes Risiko für Lieferketten — besonders bei Seltenen Erden und anderen Materialien, die für die Chipfertigung unverzichtbar sind. Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie des Hague Centre for Strategic Studies stuft die niederländische Halbleiterbranche zudem als „sehr hohem Risiko“ durch ausländische Einflussnahme ausgesetzt ein. Grund sind wiederholte Spionageversuche gegen ASMLs Lithografie-Technologie in den vergangenen Jahren.
Rekordquartal und angehobene Prognose
Der geopolitische Gegenwind steht in scharfem Kontrast zur operativen Realität. Nach den Quartalszahlen Mitte Juli hob ASML seine Umsatzprognose für 2026 kräftig an. Statt der bisherigen Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun 43 bis 45 Milliarden Euro.
Treiber ist die Nachfrage nach fortschrittlichen Lithografiesystemen für KI-fähige Logik- und Speicherchips. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro — beides über den Erwartungen des Marktes. Die Bruttomarge lag bei 54,0 Prozent.
Kapazitätsausbau als Antwort auf die KI-Nachfrage
Um die Marktführerschaft zu sichern, beschleunigt ASML seine Fertigungspläne. Für 2027 soll die Kapazität bei Low-NA-EUV-Systemen um 30 Prozent steigen. Für 2028 prüft das Management einen weiteren Ausbau in gleicher Größenordnung.
CEO Christophe Fouquet begründet den Schritt mit den Fortschritten in der KI-Technologie. Sie verschafften dem Unternehmen mehr Sichtbarkeit auf die langfristige Nachfrage. Die Kundenzusagen im ersten Halbjahr seien „außergewöhnlich stark“ ausgefallen.
Was der Kurs zeigt
Trotz des Rekordausblicks notiert die Aktie noch 11,58 Prozent unter ihrem Zwölf-Monats-Hoch von 1.748,00 Euro, das erst Ende Juni erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 67,73 Prozent zu Buche — ASML schlägt damit die breiten Technologieindizes deutlich.
Der RSI von 48,6 signalisiert nach der jüngsten Schwankungsbreite ein neutrales Momentum. Am deutlichsten zeigt sich die Spannung zwischen Wachstumsstory und geopolitischem Risiko bei der China-Abhängigkeit: ASML rechnet damit, dass China im kommenden Jahr rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen wird. Jede weitere Verschärfung der Handelsbeziehungenträfe den Konzern damit unmittelbar.
Mehrere große Analysehäuser haben ihre Kursziele nach der Prognoseanhebung nach oben korrigiert. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich der Handelskonflikt zwischen der EU und China weiter zuspitzt — oder ob sich die Wogen ähnlich schnell glätten, wie sie aufgekommen sind.
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