ASML verliert an der Börse, während die Analystenhäuser reihenweise ihre Kursziele nach oben schrauben. Diese Diskrepanz wirft eine Frage auf: Wer hat recht — der Markt oder die Analysten?
Am Freitag fällt die Aktie des niederländischen Lithografie-Spezialisten um 1,58 Prozent auf 1.560 Euro. Der Titel setzt damit seine Talfahrt der vergangenen Woche fort. Binnen sieben Handelstagen hat ASML 4,18 Prozent verloren, seit dem Rekordhoch von 1.748 Euro am 30. Juni sind es sogar 10,76 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 57,85 Prozent zu Buche.
Samsung-Schock trifft die gesamte Chip-Branche
Der Kursrutsch der vergangenen Tage hat einen klaren Auslöser. Samsung Electronics veröffentlichte enttäuschende vorläufige Zahlen für das zweite Quartal. Trotz Rekordgewinnen blieben die Ergebnisse hinter den hochgeschraubten Erwartungen der Investoren zurück.
Die Folge: Der Handel in Südkorea wurde zeitweise ausgesetzt, und die Schockwelle erreichte europäische Zulieferer der Chipbranche direkt. ASML gehörte zu den am stärksten betroffenen Werten. Die hohe Schwankungsbreite der Aktie — annualisiert liegt sie derzeit bei 64,53 Prozent — verstärkte die Bewegung zusätzlich.
SK Hynix bringt EUV-Nachfrage zurück ins Rampenlicht
Ausgerechnet am Tag des Kursrückgangs feierte SK Hynix sein Debüt an der Nasdaq. Der südkoreanische Speicherchiphersteller strebt mit dem Börsengang rund 28 Milliarden Dollar an. In den Unterlagen zum Listing taucht ein Detail auf, das für ASML besonders relevant ist.
SK Hynix will umgerechnet etwa 11,9 Billionen Won in EUV-Lithografiesysteme von ASML investieren. Die Lieferung der Maschinen ist bis Dezember 2027 vorgesehen. Der Auftrag zeigt, wie abhängig die größten Speicherchip-Hersteller der Welt von ASML bleiben, wenn es um die Produktion von Hochleistungsspeicher für KI-Anwendungen geht.
Kursziele steigen trotz fallender Notierung
Während der Aktienkurs schwächelt, überbieten sich Analysten mit optimistischen Prognosen. Bernstein-Analyst David Dai hob sein Kursziel am 6. Juli von 1.971 auf 2.623 Dollar an und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Begründung: Das durch KI getriebene Wachstum bei fortschrittlicher Logik- und DRAM-Kapazität übertrifft alle bisherigen Erwartungen. Dai rechnet für 2027 mit 91 ausgelieferten EUV-Systemen, für 2028 mit 113.
Auch Morgan Stanley zog nach. Analyst Lee Simpson erhöhte am 8. Juli sein Kursziel von 1.660 auf 1.830 Euro und beließ die Einstufung bei „Overweight“. Noch weiter ging Susquehanna bereits Ende Juni: Das Kursziel kletterte von 1.475 auf 2.350 Euro, die Einstufung „Positive“ blieb bestehen.
Quartalszahlen am 15. Juli als nächster Prüfstein
Die Aktie notiert derzeit 5,58 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,54 Euro — ein Zeichen dafür, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der jüngsten Schwäche intakt bleibt. Der RSI von 50 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Situation.
Im April hatte ASML seine Jahresprognose auf einen Umsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro angehoben. Als Begründung nannte der Konzern eine Nachfrage im Halbleitermarkt, die das Angebot übersteigt. Am 15. Juli legt ASML nun seine Zahlen zum zweiten Quartal vor.
Der Termin dürfte zeigen, ob die durch KI getriebene Auftragsdynamik die wachsende Unsicherheit rund um Exportbeschränkungen nach China ausgleichen kann. Die Notierung von SK Hynix liefert Investoren dabei einen weiteren Anhaltspunkt, um die tatsächliche Kundennachfrage gegen kurzfristige Gewinnmitnahmen in der Branche abzuwägen.
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