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ASML: Rekordzahlen gegen Washington-Risiko

ASML hebt Umsatzprognose für 2026 erneut an, während ein US-Gesetz die China-Exporte bedroht. Analysten sehen Chancen und Risiken.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzprognose auf bis zu 45 Milliarden Euro angehoben
  • MATCH Act bedroht China-Geschäft mit 20 Prozent Anteil
  • KI-Nachfrage treibt Kapazitätsausbau voran
  • Analysten uneins über Auswirkungen der Exportpolitik

ASML hat gerade die eigene Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Die Aktie notiert trotzdem gut zehn Prozent unter ihrem Rekordhoch. Zwischen boomenden KI-Aufträgen und einem drohenden US-Gesetz gegen Chip-Exporte nach China entscheidet sich, wohin der Kurs als Nächstes läuft.

Am Freitag kostet das Papier 1.566,20 Euro, ein Minus von 1,06 Prozent zum Vortag. Von ihrem Rekordhoch bei 1.748,00 Euro, erreicht Ende Juni, ist die Aktie damit 10,40 Prozent entfernt. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von knapp 70 Prozent zu Buche.

Starke Zahlen, ungelöstes Politikrisiko

Am 15. Juli legte der niederländische Ausrüster für Chipfertigungsanlagen seine Quartalszahlen vor. Für 2026 erwartet ASML nun einen Gesamtumsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro, deutlich mehr als die im April genannten 36 bis 40 Milliarden Euro.

CEO Christophe Fouquet spricht von einem im ersten Halbjahr „außerordentlich starken“ Auftragseingang. Kunden würden ihre Kapazitätspläne weiter beschleunigen.

Das politische Risiko ist damit aber nicht vom Tisch. Anfang April brachten US-Abgeordnete den „MATCH Act“ ein, ein Gesetz, das Lieferungen fortschrittlicher Chipfertigungsanlagen nach China stoppen soll. Der Entwurf muss den US-Gesetzgebungsprozess noch durchlaufen — aktuell gilt keine Beschränkung über die bestehenden Regeln hinaus. ASML liefert schon jetzt seine modernste Ausrüstung nicht nach China. Laut CFO Roger Dassen soll das Land 2026 dennoch rund 20 Prozent zum Konzernumsatz beitragen.

Die entscheidende Frage: Kommt der MATCH Act durch den Kongress?

Ein einzelner Faktor dürfte den weiteren Kursverlauf stärker prägen als alles andere: ob das geplante Gesetz zu DUV-Lithografie-Exporten nach China den Kongress passiert oder im Verfahren stecken bleibt. Ein verabschiedetes Gesetz würde direkt in das gut ein Fünftel des Umsatzes einschneiden, das noch aus China kommt. Bleibt der Prozess blockiert, bleibt die schon schrumpfende China-Abhängigkeit als Basis bestehen — während die KI-Nachfrage aus anderen Regionen den Löwenanteil des Wachstums trägt.

Bullen-Szenario: Die Kapazität wird zum Engpass

Das stärkste Argument der Optimisten: Die Nachfrage übersteigt bereits, was ASML liefern kann. Für das dritte Quartal erwartet der Konzern einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro. Gegen die zuletzt gemeldeten 9,3 Milliarden Euro bedeutet das im Mittelwert ein Wachstum von über 20 Prozent binnen eines Quartals.

ASML will seine Low-NA-EUV-Kapazität von rund 65 Systemen für 2026 bis 2027 um 30 Prozent ausbauen. Für 2028 prüft der Konzern eine weitere Steigerung um denselben Umfang.

Die Reaktion an der Wall Street fiel entsprechend aus: Zahlreiche Analysten hoben nach den Zahlen ihre Kursziele an und beschreiben die Nachfrage als stabil und nicht spekulativ getrieben. UBS-Analysten schrieben am 10. Juli, der Ausbau der Chipfabriken weltweit sowie die KI-getriebene Nachfrage nach Spitzenchips dürften ASML ein starkes zweites Halbjahr bescheren.

Selbst die Exportdrohung könnte kurzfristig zugunsten von ASML wirken. Morningstar-Analyst Javier Correonero verweist auf einen paradoxen Effekt aus der Vergangenheit: Restriktionsängste hatten chinesische Kunden zuvor dazu gebracht, Maschinen auf Vorrat zu kaufen — aus Sorge vor weiteren Beschränkungen.

Bären-Szenario: Politisches Risiko trifft ambitionierte Bewertung

Die Gegenseite argumentiert, die China-Abhängigkeit sei keine Randnotiz, sondern eine akute politische Bedrohung — und das bei einer bereits hohen Bewertung. Degroof Petercam rechnete zuvor mit Umsatzrückgängen im niedrigen einstelligen Prozentbereich, JPMorgan mit einem Gewinnrückgang je Aktie von bis zu 10 Prozent, sollten die Beschränkungen kommen. Andere Regionen könnten den Ausfall nur teilweise ausgleichen.

JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande erklärt, Verkäufe in andere Regionen würden zwar „deutlich zunehmen“, den Wegfall der China-Umsätze aber nicht kompensieren — auch wenn nicht-chinesische Chiphersteller ihre Kapazitäten ausbauen, um die Lücke zu füllen.

Auch das Chartbild mahnt zur Vorsicht. Die Aktie notiert 31,74 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 55,51 Prozent. Nach einem Kursanstieg von 153,51 Prozent binnen zwölf Monaten reagiert das Papier entsprechend empfindlich auf neue Schlagzeilen. Die Monopolstellung bei EUV-Lithografie wirkt dabei in beide Richtungen: Sie sichert Preismacht, zieht aber auch politische Aufmerksamkeit auf sich, sobald sich die Exportregeln bewegen.

Ausblick: Washington im Blick, nicht nur das Orderbuch

Solange Auftragseingang und Kapazitätsausbau im Rahmen der angehobenen 2026er-Prognose bleiben, dürfte die Nachfrageseite der Bullen-These im zweiten Halbjahr intakt bleiben. Gewinnt der MATCH Act im Kongress an Fahrt, geraten die China-Annahmen in dieser Prognose unter erneuten Druck — und der Aufschlag der Aktie gegenüber ihren gleitenden Durchschnitten dürfte als Erstes zur Disposition stehen.

Der nächste konkrete Auslöser ist damit weniger ein einzelnes Datum als ein Prozess: der Fortgang des Gesetzes im US-Kongress, parallel zu ASMLs Fähigkeit, die geplanten Kapazitätserweiterungen bis 2027 umzusetzen und die geprüfte weitere Aufstockung für 2028 tatsächlich zu realisieren.

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Diskussion zu Asml

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.