ASML-Aktien schließen am Donnerstag bei 1.582,20 Euro, ein Plus von 0,10 Prozent. Der eigentliche Kurstreiber liegt aber nicht im Tagesgeschäft, sondern bei einem Kunden: Intel hat gerade bewiesen, dass ASMLs teuerste und fortschrittlichste Belichtungstechnologie im industriellen Maßstab funktioniert.
Intels Quartalszahlen bestätigen den Durchbruch
Intel meldete am Donnerstag einen Quartalsumsatz von 16,1 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Entscheidend für ASML war eine andere Zahl: Intel Foundry produziert jetzt einen Teil der Core Ultra Series 3 Prozessoren mit Codenamen Panther Lake in Großserie. Die Chips laufen auf ASMLs EXE High-NA-EUV-Anlagen.
Das ist der Unterschied zwischen einem Versprechen und einem Beweis. Im Vorfeld der Zahlen hatten Marktbeobachter bereits vermeldet, dass sich die Ausbeute des 18A-Fertigungsprozesses von 65 auf 85 Prozent verbessert hat. High-NA-EUV trug zu diesem Fortschritt bei. Nach der Veröffentlichung kamen weitere Details: Panther Lake läuft inzwischen auf 18A in über 200 verschiedenen Gerätedesigns großer Hersteller. Intels Sparte für Client Computing legte um 13 Prozent auf 8,88 Milliarden Dollar zu, getrieben vom Panther-Lake-Hochlauf.
Intel-Chef Lip-Bu Tan ordnete das Quartal als Bestätigung der eigenen Fertigungsstrategie ein: „KI treibt eine beispiellose Nachfrage nach Rechenleistung, und mit fortschreitender Ausführung ist Intel gut positioniert, um nachhaltiges Wachstum über unsere CPU-Sparte, ASICs, fortschrittliche Verpackungstechnik und unser breites Foundry-Netzwerk hinweg zu erzielen.“ Finanzchef David Zinsner hob parallel dazu die Investitionspläne für 2026 von 18 auf 20 Milliarden Dollar an. Für 2027 stellte er einen „deutlichen“ weiteren Anstieg in Aussicht.
Warum das für ASML zählt
High-NA-EUV ist ASMLs nächste Lithografie-Generation, und Intel war bislang der prominenteste frühe Abnehmer. Jede Anlage kostet ein Vielfaches einer klassischen EUV-Maschine. Genau deshalb war die Bestätigung durch einen Großkunden so wichtig, um den kommerziellen Rollout in der gesamten Chipbranche zu rechtfertigen.
Bislang liefen die Maschinen vor allem in Pilotlinien. Dass Intel nun in Volumenproduktion fertigt, nimmt eine zentrale Unsicherheit aus dem Markt: das Tempo, mit dem High-NA tatsächlich angenommen wird.
Die Nachricht kommt gut eine Woche nach ASMLs eigenem Quartalsbericht, in dem der Konzern den Meilenstein bereits selbst angedeutet hatte. Schon damals hatte ASML offengelegt, dass Intel Foundry die High-NA-Anlagen für den Panther-Lake-Hochlauf nutzt. Zusammen mit stärker als erwarteten Konzernzahlen hatte das Unternehmen daraufhin seine Jahresprognose angehoben.
Aktie unter Rekordhoch, aber im Aufwärtstrend
Trotz der positiven Nachrichtenlage notiert ASML weiterhin rund 9,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro, erreicht am 30. Juni 2026. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 71,7 Prozent zu Buche. Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 55,58 Prozent zeigt, wie nervös der Markt bei KI-nahen Halbleiterwerten zuletzt reagiert hat, während das Auftragsmomentum im Lithografiegeschäft parallel weiter zunimmt.
Mit Intels bestätigter High-NA-Produktion richtet sich der Blick nun auf andere Spitzenhersteller. Beschleunigen auch sie ihre eigenen Zeitpläne für die neue Technologie, dürfte sich das in ASMLs nächsten Angaben zum Auftragseingang niederschlagen.
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