BofA Securities hat heute die Kaufempfehlung für ASML bekräftigt. Das Analysehaus sieht Umsatz- und Margenpotenzial sowie mögliche Preiserhöhungen als Kurstreiber.
Dem steht eine vorsichtigere Einschätzung von Jefferies-Analyst Janardan Menon gegenüber: Zyklisch sinkende Bewertungskennzahlen könnten das Kurspotenzial begrenzen. Für Anleger entscheidet damit nicht allein die starke Nachfrage. Wichtig ist auch, welchen Preis die Börse für künftige Gewinne akzeptiert.
Servicegeschäft stützt die Profitabilität
Die vor gut einer Woche veröffentlichten Ergebnisse liefern der optimistischen Einschätzung operative Argumente. Im dritten Quartal 2026 erzielte ASML eine Bruttomarge von 57,5%. Das Geschäft mit der installierten Maschinenbasis steuerte 3,289 Milliarden Euro bei. Sein Umsatzanteil lag bei 28,2%.
Damit verdient die Entwicklung dieses Geschäfts besondere Aufmerksamkeit. Upgrades bestehender Maschinen stützten die Margen. Die Ergebnisentwicklung hängt folglich nicht ausschließlich davon ab, wie viele neue Anlagen ASML ausliefert. Auch die Aufrüstung bereits installierter Systeme trägt zum Geschäft bei.
Für das Schlussquartal stellte ASML vor gut einer Woche einen Serviceumsatz von rund 3,7 Milliarden Euro in Aussicht. Die erwartete Bruttomarge für das Gesamtjahr liegt bei rund 56%. Diese Erwartungen bilden einen konkreten Prüfstein für die von BofA hervorgehobenen Margenchancen.
Eine hohe Nachfrage allein genügt für die optimistische Bewertungsthese nicht. Entscheidend bleibt, ob ASML daraus profitable Umsätze erzielt. Das Service- und Upgradegeschäft liefert dafür einen zusätzlichen Ansatzpunkt neben dem Verkauf neuer Systeme.
Hohe Nachfrage verlangt verlässliche Umsetzung
Auf der Nachfrageseite reicht das Interesse einzelner Kunden bereits bis zu Lieferungen in den Jahren 2029 und 2030. Dabei handelt es sich nicht um bestätigte Bestellungen. Solche Anfragen zeigen langfristigen Planungsbedarf, dürfen aber nicht wie gesicherter Umsatz behandelt werden.
CEO Christophe Fouquet erklärte, dass die geplante Versorgung die Kundennachfrage in den kommenden Jahren nicht vollständig decken werde. ASML prüft deshalb einen stärkeren Kapazitätsausbau. Für Anleger hat diese Konstellation zwei Seiten: Sie unterstützt die Perspektive anhaltender Nachfrage, erhöht aber zugleich die Bedeutung einer verlässlichen Umsetzung.
Zusätzliche Kapazitäten müssen erst verfügbar werden, bevor sie Umsatz ermöglichen. Zugleich können Verzögerungen bei Kundenwerken die Entwicklung belasten. Eine positive Einschätzung des langfristigen Bedarfs ersetzt daher nicht die Prüfung, wann Anlagen tatsächlich ausgeliefert werden können.
Bewertung bleibt der Gegenpol
Menons Einwand setzt an einer anderen Stelle an als die operative Zuversicht von BofA. Selbst steigende Gewinne garantieren kein entsprechendes Kursplus, wenn Anleger dafür niedrigere Bewertungskennzahlen ansetzen. Gute Geschäftsentwicklung und begrenztes Kurspotenzial können deshalb nebeneinander bestehen.
Hinzu kommt politische Unsicherheit. Finanzchef Roger Dassen kritisierte den vorgeschlagenen US-MATCH Act zu DUV-Verkäufen und Serviceleistungen in China. Der Vorschlag ist keine bereits umgesetzte Beschränkung, stellt aber einen zusätzlichen Risikofaktor dar.
Die heutige Analystendebatte lässt sich deshalb nicht auf starke oder schwache Nachfrage reduzieren. Für die Kaufthese sprechen Margenpotenzial und das Upgradegeschäft. Ihr Gegenpol bleibt die Frage, wie zuverlässig ASML diese Chancen realisiert und welche Bewertung Anleger dafür zugestehen.
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