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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

ASML Holding Aktie: Analyst Jaworski verteidigt den Aufschlag für das Servicegeschäft

Der Analyst sieht in Produktivitätssteigerungen installierter Anlagen einen Ertragshebel, warnt aber vor begrenzter Lieferkapazität und hohen Erwartungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Service und Upgrades: 3,289 Milliarden Euro Umsatz
  • Bestandsanlagen steigerten die Produktivität
  • Konzernmarge erreichte 57,5 Prozent
  • Jaworski hält Qualitätsaufschlag für vertretbar

ASML erzielte im dritten Quartal 2026 mit Service und Upgrades 3,289 Milliarden Euro Umsatz. Welche Bedeutung bekommt dieses Geschäft, wenn die geplante Lieferkapazität nach Unternehmensangaben auch 2027 und 2028 hinter der Kundennachfrage zurückbleibt? Darüber spricht die Redaktion mit Dieter Jaworski, der bei ASML besonders auf den wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen knappen Neuanlagen und produktiveren Bestandsanlagen schaut.

ASML Holding (NL0010273215) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

ASML Holding (NL0010273215) — Schlusskurse 27.04.2026 bis 23.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 23.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Der Analysten-Konsens traut ASML bereits erhebliches Potenzial zu. Auch Ihre Bewertung liegt ungefähr auf dieser Linie. Was übersehen die anderen überhaupt?

Dieter Jaworski: Bei der starken Nachfrage liegen sie richtig. Darüber muss man keinen weiteren Aufsatz schreiben. Zu wenig gewichtet wird meines Erachtens, wie der Lieferengpass das Geschäft innerhalb von ASML verschiebt: Wer auf zusätzliche Anlagen warten muss, hat einen stärkeren Anreiz, aus vorhandenen Maschinen mehr herauszuholen.

Service und Upgrades können dadurch einen Teil des Wachstums tragen, für das zunächst keine komplett neue Anlage ausgeliefert werden muss. Im dritten Quartal 2026 haben Produktivitätsverbesserungen bestehender Anlagen die über Plan liegende Marge unterstützt. Das ist für mich der interessantere Befund als die nächste Bekundung großer KI-Nachfrage. Wie viel davon die Börse bereits berücksichtigt, lässt sich allerdings nicht sauber herausrechnen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihre Summe der geschätzten Segmentwerte liegt unter dem Börsenwert. Welche Substanz rechtfertigt dann überhaupt einen Bewertungsaufschlag?

Dieter Jaworski: Für den Hebel im Bestandsgeschäft ist ein Aufpreis vertretbar. ASML kommt nach der Installation weiter an der Wertschöpfung seiner Kunden zum Zug, wenn bessere Leistung vorhandener Anlagen zusätzliche Erlöse ermöglicht.

Die Bruttomarge, also der Umsatzanteil nach Abzug der direkten Umsatzkosten, erreichte im dritten Quartal 2026 konzernweit 57,5 Prozent. Das zeigt die Ertragskraft; es belegt noch keine dauerhaft erreichbare Marge. Zumal wir daraus keine gesonderte Profitabilität des Servicegeschäfts ablesen können.

Die Segmentrechnung mahnt deshalb zur Disziplin. Ihre geschätzten Unternehmenswerte lassen sich ohne belastbare Nettoverschuldung auch nicht einfach mit dem Börsenwert des Eigenkapitals gleichsetzen. ASML verdient einen Qualitätsaufschlag. Einen beliebig großen verdient auch dieses Geschäft nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Für den Hebel im Bestandsgeschäft ist ein Aufpreis vertretbar.“ Fehlende Neuanlagen begrenzen aber doch die künftige Basis für Service und Upgrades. Bezahlen Sie da nicht für eine Schwäche?

Dieter Jaworski: Sie lesen die knappe Lieferfähigkeit hier ausschließlich als Schwäche. Für das Geschäft mit bereits installierten Anlagen erhöht sie gerade den wirtschaftlichen Anreiz zur Verbesserung. Fehlende neue Anlagen stärken das Geschäft mit vorhandenen Anlagen.

Auf längere Sicht sitzt Ihr Einwand: Ohne zusätzliche Installationen wächst auch die Grundlage für spätere Folgeerlöse langsamer. Ich gewichte zunächst den bereits belegten Produktivitätshebel stärker als diesen späteren Bremseffekt.

Die Meldung über beschleunigte Terafab-Lieferungen passt dazu. Nach Musks Angaben kann ASML dort früher liefern; eine zusätzliche Bestellung ist damit nicht belegt. Solche Terminverschiebungen lösen die grundsätzliche Kapazitätsfrage noch nicht.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie gefährlich ist dabei die Abhängigkeit von Zeiss als einzigem Lieferanten kritischer Optiken? ASML kann den Ausbau schließlich nicht allein beschleunigen.

Dieter Jaworski: Sehr gefährlich. ASML kann fehlende Teile nicht mit gut gefüllten Auftragsbüchern ersetzen. Mehr Geld allein macht den Ausbau noch nicht schneller.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, ASML baut seine Kapazität weiter aus und Kunden verschieben ihre Fabrikprojekte: Welche Entwicklung würde Ihre positive Rechnung kippen?

Dieter Jaworski: Wenn die Kunden ihre Investitionen verschieben und zugleich weniger für die Verbesserung vorhandener Anlagen ausgeben, bricht meine Rechnung an ihrer wichtigsten Stelle. Dann fehlen sowohl zusätzliche Auslieferungen als auch die von mir erwartete Stütze im Bestandsgeschäft. Bei steigenden Ausbaukosten wäre das besonders unangenehm.

Ich würde deshalb auf die Entwicklung von Service und Upgrades zusammen mit der Konzernmarge achten. Lässt deren Beitrag nach und erweist sich die Stärke des dritten Quartals 2026 überwiegend als günstiger Produktmix, hätte ich den wiederholbaren Ertrag überschätzt.

Auch das Kundeninteresse für 2029 und 2030 darf diese Lücke nicht überdecken. ASML nimmt entsprechende Bestellungen vorerst nicht an. Interesse bezahlt keine zusätzliche Fertigung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Die 57,5 Prozent Bruttomarge aus dem dritten Quartal 2026 sind also Ihr greifbarer Ertragsbeleg. Rechtfertigt das zusammen mit dem Bestandsgeschäft den Qualitätsaufschlag der Aktie?

Dieter Jaworski: Ja, für mich rechtfertigt es einen anspruchsvollen Aufschlag. Ich bin bei ASML zuversichtlich, weil die Verbesserung vorhandener Anlagen einen belegten Ertragshebel bietet, während zusätzliche Auslieferungen begrenzt bleiben. Die Aktie ist damit noch lange kein Schnäppchen. Meine positive Einschätzung hängt stärker an der Wiederholbarkeit dieses Geschäfts als an weiteren Bekundungen hoher Nachfrage.

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Diskussion zu ASML Holding

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.